Blick auf das Rathaus in Oberlahnstein 

Orange The World: Lahnstein setzt ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein weltweites Problem, das sich durch alle gesellschaftlichen Schichten zieht. Um darauf aufmerksam zu machen und ein deutliches Zeichen für eine gewaltfreie Zukunft zu setzen, findet jedes Jahr vom 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, bis zum 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, die UN-Kampagne „Orange The World“ statt. Die Farbe Orange steht dabei symbolisch für Hoffnung und eine Zukunft, in der Frauen und Mädchen frei von Gewalt und Angst leben können.

Auch die Stadt Lahnstein beteiligt sich an der Kampagne und setzt in diesem Jahr ein besonders sichtbares Zeichen. Am Kaiserplatz, im Schillerpark und am Kirchplatz wurden drei orangefarbene Bänke aufgestellt, die dauerhaft auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen sollen. Sie sind nicht nur ein Symbol der Solidarität mit Betroffenen, sondern bieten zugleich einen direkten Zugang zu Unterstützungsmöglichkeiten. Jede Bank ist mit einer Plakette versehen, deren QR-Code zu weiterführenden Informationen sowie Hilfs- und Beratungsangeboten für betroffene Frauen führt.

Orangefarbene Sitzbank im Schillerpark in Lahnstein als Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Auf der Rückenlehne stehen die Aufschriften „Lahnstein gegen Gewalt an Frauen“ und „Hilfetelefon 116016“. Die Bank steht unter einem großen Baum, umgeben von herbstlich gefärbtem Laub. Im Hintergrund sind weitere Bäume mit gelben und braunen Blättern sowie Gebäude zu sehen.
Themenbereich in der Stadtbücherei Lahnstein zu Orange The World (Fotos: Eva Dreiser / Stadtverwaltung Lahnstein)

„Gewalt gegen Frauen und Mädchen darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Mit den orangefarbenen Bänken möchten wir ein Zeichen setzen, das über die Aktionstage hinaus sichtbar bleibt. Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass betroffene Frauen wissen, wo sie Hilfe finden können. Denn niemand sollte mit seinen Ängsten und Erfahrungen allein gelassen werden“, betont Oberbürgermeister Lennart Siefert.

Die internationalen Aktionstage haben ihren Ursprung im Jahr 1991. Seit 2008 werden sie auch durch die UN-Kampagne „UNiTE to End Violence against Women“ unterstützt. Inzwischen beteiligen sich Menschen, Städte und Organisationen in mehr als 100 Ländern an den „16 Tagen gegen Gewalt“. Weltweit werden Gebäude, Denkmäler und öffentliche Plätze in orangefarbenes Licht getaucht, um Solidarität mit Betroffenen zu zeigen und das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

In Lahnstein begrüßen in den städtischen Gebäuden Rathaus in der Kirchstraße, Verwaltungsgebäude in der Bahnhofstraße, Jugendkulturzentrum und Stadtbücherei Roll-ups mit der klaren Botschaft „Nein zu Gewalt gegen Frauen“ die Besucherinnen und Besucher. Sie sind stille, aber deutliche Erinnerungen daran, dass Betroffene Unterstützung brauchen und verdienen. Banner am Wehrgang auf dem Salhofplatz sowie in der Bahnhofstraße verstärken diesen öffentlichen Appell.

Zudem erstrahlen am 25. November die Stadthalle und der Hexenturm, das Theater im Nassau-Sporkenburger Hof, das Jugendkulturzentrum und der Schillerpark in Orange. Die orangefarbenen Lichter sollen Mut machen, sensibilisieren und Betroffenen symbolisch signalisieren, dass sie nicht alleine sind.

Lesung im Jugendkulturzentrum

Bereits am Freitag, 13. November findet um 18.00 Uhr im Jugendkulturzentrum Lahnstein in der Wilhelmstraße 59 die szenische Lesung „Wie man ein Schmetterling wird“ statt. Sie erzählt die bewegende Geschichte der Iranerin Reyhaneh Jabbari, die sich als 19-Jährige gegen einen sexuellen Übergriff zur Wehr setzte und dafür zum Tode verurteilt wurde. Nach sieben Jahren im Todestrakt wurde sie 2014 hingerichtet. Ihr Schicksal wurde weltweit zu einem Symbol für den Kampf gegen Gewalt an Frauen und für das Recht auf Selbstbestimmung. Edgitha Stork und Gabi Uhl bringen die Geschichte in einer einstündigen Lesung auf die Bühne und greifen dabei Fragen nach Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenrechten auf. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter 02621 914-602 oder per E-Mail an jukz@lahnstein.de wird gebeten.

Themenbereich in der Stadtbücherei

In der Bücherei wird bis zum 10. Dezember Literatur zu Gewalterfahrungen und Diskriminierung von Frauen sowie Werke über starke weibliche Vorbilder und Informationsmaterial für Betroffene und Interessierte in einem gesonderten Regal bereitgestellt.

Hilfsangebote

Um konkrete Hilfsangebote vor Ort sichtbar zu machen, liegt ganzjährig der Informationsflyer „Wege aus der Gewalt für Frauen und deren Angehörige im Rhein-Lahn-Kreis“ in städtischen Verwaltungsgebäuden aus und ist unter www.lahnstein.de/hilfefuerfrauen abrufbar. Zudem liegt im Aktionszeitraum Infomaterial von UN Women in verschiedenen Dienststellen aus.

Mitmachen

Auch private Haushalte sind dazu eingeladen, ein Zeichen zu setzen: Wer am 25. November ein orangefarbenes Licht ins Fenster stellt, zeigt Solidarität für Betroffene, für Überlebende und für all jene, deren Stimmen nicht gehört werden. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, die Arbeit von UN Women mit einer Spende zu unterstützen, finden sich unter https://unwomen.de/orange-the-world/.

Wie dringend dieses Engagement weiterhin notwendig ist, verdeutlichen erschreckende Zahlen. Nach Angaben der Vereinten Nationen erlebt weltweit etwa jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt. Auch in Deutschland ist Gewalt gegen Frauen nach wie vor traurige Realität. Fast täglich wird hier eine Frau aufgrund ihres Geschlechts getötet. Hinzu kommen weitere Formen der Gewalt, die häufig weniger sichtbar sind. So erleben 63 Prozent der politisch engagierten Frauen digitale Gewalt, während 90 Prozent der jungen Frauen Angst empfinden, wenn sie nachts unbekannten Männern begegnen.

Mit der Kampagne „Orange The World“ soll deshalb nicht nur auf das Ausmaß der Gewalt aufmerksam gemacht werden. Die Aktion möchte zugleich Betroffenen Mut machen, gesellschaftliches Schweigen durchbrechen und dazu beitragen, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen konsequent bekämpft wird.