Blick auf das Rathaus in Oberlahnstein 

Vor 150 Jahren kam Spieß-Ems durch Gebietstausch von Oberlahnstein an Bad Ems

Bis zum 30. Juni 1876 gehörte das Gebiet auf der linken, südlichen Lahnseite von Ems östlich des Braunebachs noch zu Oberlahnstein. Das Areal vom Braunebach bis zur Mohrendell an der Dausenauer Grenze trug den Namen „Spieß“. Bereits aus dem Jahr 1372 ist eine Verpachtung dieser Wiesen an Emser Landwirte überliefert. Heute bildet das Areal im Mündungstrichter des Braunebachs zwischen Wintersberg und Malberg einen eigenen Stadtteil der Kurstadt: Spieß-Ems.

Die katholische Kapelle „Maria Königin“ ist ein Zeitzeugnis der glanzvollen Badetradition. Da die Gemeinde Ems und ihre Kirchen infolge der Reformation protestantisch geworden waren, wurde die Kapelle 1661 eigens für die katholischen Gäste der Emser Thermen erbaut. Genutzt wurde das Gotteshaus auch von den Bewohnern des Spieß sowie den zahlreichen Höfen, die nach dem Dreißigjährigen Krieg im Oberlahnsteiner Wald entstanden waren.  

Ende des 17. Jahrhunderts ließ der Kurfürst ganz in der Nähe das herrschaftliche Mainzer Haus errichten, die Kapelle erweitern und sie dem heiligen Martin weihen.  Im Jahr 1724 wurde Spieß eine eigenständige Pfarrei und erhielt ein Pfarrhaus, in dem ab 1788 auch Schulunterricht stattfand. 1750 folgte die Anlage eines eigenen Friedhofs.

Seit 1858 bemühte sich die damalige Gemeinde Ems darum, den Oberlahnsteiner Spieß zu erwerben. Grund war das rasche Wachstum des Kurortes auf der linken Lahnseite mit neuen Straßenzügen, Hotels, Wohnhäusern und dem großen Bahnhof. Doch die Verhandlungen über eine Abtretung scheiterten zunächst. 1873 gestattete Oberlahnstein dem Emser Blei- und Silberbergwerk immerhin, Werkstätten und Wohnungen auf dem Spieß anzulegen.

Mit dem Vertrag vom 1. Juli bzw. 26. Oktober 1876 trat die Stadt Oberlahnstein den Spieß schließlich zusammen mit einem Teil des Distrikts Rödelstein an die Stadt Ems ab. Aus Emser Sicht sollte damit der „unnatürliche Zustand in den bürgerlichen und gewerblichen Verhältnissen der Bewohner endlich überwunden“ werden.

Diese historische farbige Handzeichnung zeigt eine Landkarte, die den „Bezirk Spieß“ und das angrenzende Gebiet darstellt. Die Lahn ist am oberen Rand zu sehen, darunter der „Eisenbahnkörper“ und der „Bahnhof“. Mehrere Gebäude sind eingezeichnet und nummeriert. Eine gestrichelte rote Linie markiert die Gemarkungsgrenze. Die Karte ist mit handschriftlichen Ortsbezeichnungen und Grenzzahlen versehen.
Lageplan von Spieß-Ems, 1872: Die rote Linie zeigt die alten Gemarkungsgrenzen, die rot-gestrichelte Linie die ab 1876 gültige neue Grenze zwischen Ems und Oberlahnstein (Sammlung Stadtarchiv Lahnstein)

Zum Gebietstausch gehörten auch das Mainzer Haus, das Café Wintersberg und der 1874 auf dem Wintersberg wiederaufgebaute Limesturm, während der Hof Wintersberg in der Gemarkung Oberlahnstein verblieb. Auch die Gemeinde Frücht trat einen Teil ihrer Gemarkung an Ems ab.

Die Emser Gemarkung umfasste nun 1511 Hektar, nach einem späteren Gebietsaustausch mit Nievern auf 1541 Hektar. Demgegenüber verfügt die Stadt Lahnstein einschließlich Niederlahnstein heute über 3761 Hektar Gemeindegebiet, das zur Hälfte bewaldet ist.

Nach der Eigenständigkeit der Pfarrei stellte Kurmainz den Geistlichen. Infolge der Säkularisation fielen die Spießer Kapelle und das Mainzer Haus an das herzoglich-nassauische Domänengut und gingen 1866 in den Besitz des preußischen Staates über. Mit der Eingemeindung nach Ems wurde auch die St.-Martins-Pfarrgemeinde dorthin integriert. 1958 erfolgte die Weihe auf den heutigen Namen.

Der Friedhof an der Kirche wurde bereits 1855 geschlossen. Als Ersatz legte man einen neuen Friedhof an der Wintersbergstraße an, der auch den Bewohnern der Waldhöfe weiterhin offenstand. Dieser wurde 1906 geschlossen und später entwidmet. An seiner Stelle befindet sich hier ein Spielplatz, die alten Friedhofsmauern sind jedoch bis heute erhalten.