Was tun bei Wildschweinen im Wohngebiet
Warum gibt es derzeit so viele Wildschweine?
Die Wildschweinbestände sind in den vergangenen Jahren deutlich angewachsen. Begünstigt wird diese Entwicklung unter anderem durch milde Winter: Längere Frost- und Schneeperioden treten seltener auf, sodass insbesondere mehr Frischlinge überleben.
Hinzu kommen gute Nahrungsbedingungen in den Wäldern. Eichen und Buchen tragen in sogenannten Mastjahren große Mengen an Eicheln und Bucheckern. Solche Jahre treten inzwischen häufiger auf und verbessern das natürliche Nahrungsangebot für Wildschweine zusätzlich.
Wildschweine vermehren sich zudem sehr schnell. Ein Wurf umfasst durchschnittlich mehr als sechs Frischlinge, die bereits früh selbst geschlechtsreif werden können. Gute Lebens- und Ernährungsbedingungen können deshalb innerhalb kurzer Zeit zu einem deutlichen Anstieg der Bestände führen.
In der Nähe von Wäldern kommt es immer wieder vor, dass Wildschweine Wohngebiete besuchen. Die Tiere sind intelligent und extrem anpassungsfähig. Was sie in Siedlungen zieht, ist vor allem das reichhaltige und leicht zugängliche Nahrungsangebot. Gärten, Komposthaufen und offen gelagerter Grünschnitt bieten genau das, was sie suchen.
Drei Faktoren spielen eine Hauptrolle:
- Sicherheit: Innerhalb des Wohngebiets herrscht Jagdverbot und eine intensive Bejagung im Wald könnte zum Lerneffekt führen, im Wohngebiet sicherer zu sein.
- Geruch: Fallobst, Gartenabfälle und insbesondere feuchter oder gärender Grünschnitt locken die Tiere aus mehreren hundert Metern Entfernung an.
- Lerneffekt: Einmal gefundenes Futter führt dazu, dass die Rotte immer wiederkehrt oder sogar bleibt, wenn genügend verwilderte Flächen zur Verfügung stehen.
In Lahnstein wurden bei mehreren Begehungen mit Fachleuten Schäden, Vorkommen und mögliche Ursachen untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass Grünschnitt und Gartenabfälle die häufigste Ursachen für Wildschweinbesuche in Lahnsteiner Wohngebieten sind.
Für Wildschweine sind sie keine Abfälle, sondern eine energiereiche Futterquelle. Hier finden sie Fallobst, Gemüsereste, Wurzeln und Knollen aus Beeten, Samen, Nüsse, Regenwürmer und Insektenlarven im feuchten Schnittgut sowie Rasensoden, die aktiv umgebrochen werden.
Werden die Tiere einmal angelockt, erkunden sie auch angrenzende Gärten und öffentliche Flächen. Umgegrabene Rasenstücke, beschädigte Beete und Garteneinfassungen sowie umgestoßene Komposter sind häufige Folgen.
Das Wildschweinbuffet schließen: So schützen Sie Ihren Garten
Um die Attraktivität der Siedlung zu senken, hilft oft schon die Beachtung kleiner Details:
- Kompostierung: geschlossene und möglichst wildtiersicher aufgestellte Kompostbehälter
- Grünschnitt und Gartenabfälle: zeitnahe und ordnungsgemäße Entsorgung von Grünschnitt und Gartenabfällen un keine Ablagerung in angrenzenden Grünflächen
- stabile Einzäunung: Prüfen Sie diese regelmäßig auf Schwachstellen am Boden.
Langfristig lässt sich das Eindringen von Wildschweinen vor allem dann begrenzen, wenn Nahrungsquellen im Wohngebiet konsequent reduziert werden. Jede kleine Maßnahme trägt dazu bei, Konflikte zwischen Mensch und Tier zu verringern.
Was tun bei einer Begegnung?
Wildschweine können sehr gut riechen, sehen dagegen vergleichsweise schlecht. Es kann deshalb vorkommen, dass ein Tier einen Menschen erst auf relativ kurze Distanz wahrnimmt. Bei einer Begegnung gilt:
- Ruhe bewahren - Wildschweine ergreifen in aller Regel die Flucht.
- Nicht wegrennen - Machen Sie sich bemerkbar und ziehen Sie sich langsam zurück.
- Fluchtweg freihalten - Drängen Sie das Tier niemals in eine Ecke oder einen geschlossenen Bereich.
- Hunde anleinen - Hunde können von Wildschweinen als Bedrohung wahrgenommen werden. Eine Begegnung mit einem Wildschwein stellt bei richtigem Verhalten in aller Regel keine unmittelbare Gefahr dar.
Warum können Wildschweine im Wohngebiet nicht einfach bejagt werden?
Die Bejagung von Wildschweinen ist ein wichtiger Bestandteil der Bestandsregulierung. Die Jägerschaft ist daher bemüht, die hohen Schwarzwildbestände konsequent zu reduzieren.
Innerhalb bebauter Siedlungsbereiche gelten allerdings besondere rechtliche und sicherheitsrelevante Vorgaben. Wohngebiete sind in der Regel sogenannte „befriedete Bezirke“. Dort herrscht grundsätzlich Jagdverbot. Das hat vor allem einen wichtigen Grund: die Sicherheit der Menschen. Eine Schussabgabe in unmittelbarer Nähe von Häusern, Straßen, Spaziergängern oder Haustieren birgt erhebliche Gefahren. Der Schutz von Leib und Leben hat deshalb Vorrang vor möglichen Schäden an Rasenflächen, Beeten oder anderen Grundstücksteilen.
Auch wenn Wildschweine innerhalb eines Wohngebietes auftreten, bedeutet dies daher nicht, dass die Tiere dort ohne Weiteres erlegt werden können. Jagdliche Maßnahmen müssen immer die gesetzlichen Vorgaben und die Sicherheit der Bevölkerung berücksichtigen.
Was wird gegen die hohen Bestände unternommen?
Die Stadt Lahnstein arbeitet gemeinsam mit den Jagdpächtern und weiteren zuständigen Stellen daran, die Situation zu verbessern. Dazu gehören unter anderem:
- jährliche Bewegungsjagden, um den Wildschweinbestand zu reduzieren
- Sondergenehmigungen zur Bejagung in siedlungsnahen Bereichen, soweit dies rechtlich und sicherheitstechnisch möglich ist:
- Pflegemaßnahmen auf städtischen Grünflächen in der Nähe von Wohngebieten, um Rückzugs- und Deckungsmöglichkeiten für Wildschweine zu reduzieren.
- Darüber hinaus beschäftigen sich Jagdbehörden, Jägerschaft, Forst- und Landwirtschaft sowie Veterinärbehörden auf verschiedenen Ebenen mit der Entwicklung der Schwarzwildbestände und möglichen Maßnahmen.
Ein einzelnes Patentrezept gegen Wildschweine im Wohngebiet gibt es leider nicht. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen – von einer konsequenten Bejagung außerhalb der Wohngebiete über die Pflege siedlungsnaher Flächen bis hin zur Mithilfe der Grundstückseigentümer.
