Blick auf das Rathaus in Oberlahnstein 

Künstler, Karnevalist und waschechter „Lehner“: Vor 10 Jahren verstarb Ludwig Nett

Seine Kunst und sein Humor haben in Lahnstein Spuren hinterlassen: Vor zehn Jahren starb Ludwig Nett, Künstler und leidenschaftlicher Karnevalist. Ob mit Pinsel und Feder oder in der Bütt – auf eigene Weise brachte er seine Verbundenheit mit seiner Heimatstadt zum Ausdruck. Besonders in seinen Aquarellen, Ölbildern und Federzeichnungen lebt diese bis heute weiter und mit ihr die Erinnerung an einen Mann, der Lahnstein über viele Jahre künstlerisch und karnevalistisch bereichert hat.

Hochformatige, farbige Illustration auf hellem Hintergrund mit verschiedenen Lahnsteiner Gebäuden und Sehenswürdigkeiten. Die Motive sind einzeln über die Fläche verteilt und von grünen Baum- und Strauchpartien umgeben. Im oberen Bereich steht der Schriftzug „Lahnstein“, darunter befindet sich ein Wappen mit rotem Kreuz und goldenem Rad. In der Bildmitte ist eine sitzende, gezeichnete Person dargestellt. Die Gebäude sind überwiegend in Braun-, Rot-, Gelb- und Grautönen gehalten.
Collage verschiedener Lahnsteiner Sehenswürdigkeiten gemalt von Ludwig Nett

Ludwig Nett widmete sich vor allem der gegenständlichen Malerei und orientierte sich dabei am Impressionismus. Seine Motive fand er häufig direkt vor der eigenen Haustür: Burg Lahneck, Johanniskirche, Wirtshaus an der Lahn, Altes Rathaus, Hexenturm und Martinsschloss hielt er ebenso fest wie verwinkelte Fachwerkhäuser und die Gassen von Niederlahnstein. Doch sein Blick galt nicht nur den bekannten Wahrzeichen. Auch Blumensträuße, Szenen bei der Ernte oder Schwäne an der Uferpromenade wurden zu Motiven seiner Bilder. Viele Orte und Augenblicke griff er immer wieder auf und setzte sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln in Szene.

Seit 1970 widmete sich Ludwig Nett der Malerei. 1990 hielt er eine eigene Ausstellung mit 59 Werken in der Hospitalkapelle Lahnstein unter Schirmherrschaft des damaligen Innenministers Rudi Geil, 2008 stellte er im Pfarrsaal St. Barbara aus. Viele Jahre fungierte er auch als Organisator einer Ausstellung Lahnsteiner Freizeitkünstler in der Stadthalle.

Ludwig Nett war ein waschechter „Lehner“: Am 22. Mai 1934 geboren, wuchs er als Kind von Anstreicher Johann Nett (1903-1977) und seiner Ehefrau in der Holzgasse auf. Bereits Johann Nett malte beliebte Motive in Öl, darunter die Johanniskirche, den Kleeberger Hof oder das Wirtshaus an der Lahn. 1960 heiratete er Stefanie Noll und hatte mit ihr vier Kinder.

Neben dem Malen war das Angeln eine weitere Leidenschaft von „Hutschel“, wie er liebevoll genannt wurde. Er war Mitglied im Anglerclub Niederlahnstein. Große Anglerreisen führten ihn bis nach Alaska.

Sein drittes großes Hobby war der Karneval. Alljährlich stieg er mit seinem Freund Toni Schlösser in die Bütt. In heiteren Zwiegesprächen narrten sich die beiden über vier Jahrzehnte jedes Jahr auf Neue in die Herzen der Niederlahnsteiner Karnevalisten. Viele Jahre war er mit den Schlösser-Brüdern und Ernst Rech als die legendären Zylindermänner in schwarzem Frack und Zylinder aktiv. Auch betätigte er sich als Bühnenbauer beim Niederlahnsteiner Carneval Verein.

Gemalte historische Stadtansicht in gedeckten Braun-, Grau- und Beigetönen. Im Vordergrund liegt ein Gewässer mit mehreren kleinen Booten und einzelnen Personen am Ufer. Dahinter stehen dicht beieinander verschiedene Häuser und größere Gebäude mit steilen Dächern. Mehrere Kirchtürme ragen über die Dächer hinaus. Der Himmel ist grau und bewölkt dargestellt. Rechts unten befindet sich die Signatur „L. Nett“.
Das Wirtshaus an der Lahn um 1900, in Öl gemalt von Ludwig Nett, gedruckt als Postkarte (Fotos: Sammlung Stadtarchiv Lahnstein)

Für den Kur- und Verkehrsverein, der alljährlich den Lehner Anker verleiht, bemalte er das metallische Eisen des Ankers mit dem Lahnsteiner Wappenschild. Schließlich erhielt er selbst 1998 die begehrte Auszeichnung.

Am 10. September 2016 verstarb Ludwig Nett und wurde auf dem Friedhof Allerheiligenbergstraße zu Grabe getragen.

Einige seiner Ölgemälde mit Lahnsteiner Motiven zieren eine Postkartenserie, die 1998 in 500 gedruckten Sets verkauft wurde und so Lahnsteins Sehenswürdigkeiten in aller Welt bekanntmachen.