Am 9. Juli 1926 erhielt Lahnstein prominenten Besuch: Erich Rademacher (1901-1979), einer der erfolgreichsten deutschen Schwimmer seiner Zeit, war anlässlich des Gauschwimmfestes in Oberlahnstein zu Gast. In den 1920er Jahren wurde er achtmal Deutscher Meister im Brustschwimmen und hielt 1924 sämtliche Weltrekorde über die Distanzen von 100, 200, 400 und 500 Metern.
In Oberlahnstein wurde der Spitzensportler von Behördenvertretern und Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine feierlich empfangen. Der Beigeordnete der Stadt hielt die Begrüßungsrede, eine Dame trug ein Gedicht vor und überreichte Rademacher einen Blumenstrauß. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Männergesangverein 1863 Oberlahnstein mit dem Deutschen Sängergruß.
Anschließend reiste Rademacher mit dem Personenzug weiter nach Niederlahnstein, wo die Willkommensprozedur sich mit Ansprachen und Überreichung eines Weinpokals wiederholte, denn auch die Nachbarstadt wollte den Stargast würdig willkommen heißen. Für den Schwimmverein Lahnstein sprach Josef Schickel, während die Jugendabteilung des Vereins Spalier stand. Begleitet von einer Musikkapelle wurde Rademacher im Auto durch die festlich beflaggten Straßen zu seinem Quartier in der Ostallee gefahren. Ab dem linken Lahnufer schlossen sich auch Oberlahnsteiner Vereinsvertreter mit ihren Fahnen dem Zug an.
Das Gauschwimmfest lockte rund 2.500 Zuschauer aus der gesamten Region zwischen Boppard und Andernach an den Oberlahnsteiner Hafen. In sechs Disziplinen stellten die Schwimmer ihr Können unter Beweis. Rademacher selbst trat bei der Herrenlagenstaffel und der Herrenbruststaffel außer Konkurrenz an.

Später fand im Niederlahnsteiner Hotel Strobel ein Festabend statt, bei dem die Stadtverordnetenvorsteher beider Städte sowie Johann Zell als Vertreter des Veranstalters Ansprachen hielten. Dabei wurde Rademacher als „Vertreter deutschen Könnens und Deutschen Ruhmes“ gewürdigt. Musikalische Beiträge des MGV Eintracht Niederlahnstein und des Solisten Karl Strobel rundeten das Programm ab, bevor der Abend mit Tanzvergnügungen ausklang.
Am Sonntagabend verabschiedete sich Rademacher, um zu seinem nächsten Schwimmwettkampf nach Frankfurt weiterzureisen. Nur vier Wochen später gewann er bei den ersten Schwimmeuropameisterschaften in Budapest die Goldmedaille über 200 Meter Brust. 1928 folgte bei den Olympischen Spielen eine weitere Goldmedaille mit der deutschen Wasserballmannschaft.
Das Oberlahnsteiner Gauschwimmfest hatte bereits am Wochenende zuvor begonnen. Im Hafenbecken waren die Wettkampfbahnen mit Kork voneinander abgetrennt worden. Ein Fahnenmast trug die Wimpel der 26 teilnehmenden Vereine. Nach den Vorrennen am Freitagabend folgten am Samstag und Sonntag die weiteren Wettkämpfe. Die damalige Presse berichtete unter anderem von spektakulären Turmsprüngen von einem 18 Meter hohen Kran.
Am Abend wurde im Niederlahnsteiner Hotel Strobel gemeinsam gefeiert. Neben den teilnehmenden Schwimmern gestaltete die Knabenturnriege des Turnvereins Niederlahnstein das Programm mit Freiübungen mit.

