„Das, was Sie in dem langen Zeitraum von 50 Jahren geschaffen haben, gestaltet sich zu einem Monument, welches unser Zeitalter überdauern und späteren Generationen verbleiben wird,“ heißt es in einem Glückwunschreiben an Eduard Adolph Nobiling anlässlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums. Als Leiter der 1850 neugeschaffenen Preußischen Rheinstrom-Bauverwaltung zu Koblenz oblag seiner Behörde die bauliche Unterhaltung und Verwaltung des Rheinstroms von der Nahemündung bis zur holländischen Grenze.
Hauptschaffenswerk des Strombaudirektors Nobiling bis seiner Pensionierung 1877 war der Ausbau und die Regulierung des Rheins zwischen Bingen und Emmerich sowie der Nebenflüsse Mosel und Ruhr, die er nach seinen Plänen ausführen ließ. Allein am Rhein schuf er über 100 Regulierungen, die sich derartig gut in die Landschaft einpassen, dass sie einem unkundigen Beobachter überhaupt nicht auffallen. Zuvor waren zahlreiche Stromschnellen und starke Gefälle im Rhein zu finden. Nur kleine Kähne mit flachem Kiel konnten fahren. Wer den Rhein befuhr, musste immer wieder in andere Schiffe umsteigen und die Frachten umsetzen. Die Schiffe wurden stromaufwärts mit Zugpferden getreidelt.
Als die Dampfschifffahrt aufkam, war man zu einer Flussregulierung gezwungen. Nobiling ließ an typischen Rheinstellen Buhnen (Querwerke) anlegen. Durch die abgeflachte Form der Buhnenköpfe wurde verhindert, dass sich tiefe Wasserlöcher vor den Buhnen bildeten. Diese Stromschnellen werden „Nobiling“ genannt. Sie dienten zum Schutz des Ufers und erzielten eine gewollte gerade und stete Strömungslinie. Auch das Deichnetz ließ er ausbauen und verlängern, damit die Deiche bei hohen Wasserständen nicht mehr regelmäßig brachen. Sämtliche Maßnahmen zielten daraufhin, dass das Wasser so beeinflusst wurde, dass es sich selber in die Flusssohle eingrub. Ab 1857 wurden auch Dampfbagger eingesetzt.
Auf der Felsenstrecke zwischen Bingen und St. Goar begegnete Nobiling den Schwierigkeiten der Felssprengungen mit einer Dampfbohrmaschine und einem Tauchschacht. Letzterer diente für Aufräumarbeiten nach Felssprengungen. Im Laufe seines Wirkens konnte Nobiling das Flussbett um rund einen Meter vertiefen. In Koblenz entstanden nach Vorschieben des linken Rheinufers und Schaffung der baulichen Anlagen dafür die heutigen Rheinanlagen.
Daneben hatte er auch die Leitung der Moselbauten im Regierungsbezirk Koblenz inne und wurde von der türkischen Regierung als Berater für den Ausbau der Donau herangezogen.
Manches von dem, was Nobiling geplant und vorbereitet hatte, wurde erst nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst vollendet. Eine von ihm 1875 beantragte Veränderung der Lahnmündung kam erst 1885 zur Ausführung: Die Lahn wurde mittels eines von der Oberlahnsteiner Seite aus vor die ehemalige Mündung gelegten Steindamms nordwärts abgelenkt und eine Strecke parallel zum Rhein geführt, ehe sie auf der Höhe der Johanniskirche in den Rhein einmündet. Hierdurch wurde die häufige Versandung der Lahnmündung unterbunden.
Geboren wurde Eduard Adolph Nobiling am 7. Juni 1801 in Loederitz an der Elbe im damaligen Großherzogtum Anhalt-Dessau. Ein tragisches Ereignis belastete seinen Lebensabend. Ein Träger des Namens Nobiling, vermutlich sein Neffe, verübte am 2. Juni 1878 ein Attentat auf Kaiser Wilhelm I. und verletzte ihn. Der Strombaudirektor a. D. war von diesem Ereignis tief betroffen und sah sich veranlasst, die Umbenennung seines Namens zu erbitten. Ihm und seinen Verwandten wurde genehmigt, fortan den Namen „Edeling“ zu tragen. Das Ereignis hatte auch für das Reich weitreichende Folgen. Da es sich um den zweiten Attentatsversuch auf den Kaiser innerhalb eines Monats handelte, nahm Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck dies zum Anlass, den Reichstag aufzulösen. Im neugewählten Reichstag gelang es Bismarck, ein Reichsgesetz „wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, das sogenannte „Sozialistengesetz“, durchzubringen. Zwar hatten beide Attentäter nachweislich keine Verbindung zur Sozialdemokratie – Beobachter wiesen auf die geistige Unzurechnungsfähigkeit, Krankheit und Ruhmsucht der Attentäter hin – doch brachte die Regierung sie mit der Sozialdemokratie in Zusammenhang und nutzte so diesen Vorwand für das neue Gesetz.
Eduard Adolph Nobiling, der königs- und kaisertreue Staatsbeamte, verstarb am 27. Dezember 1882 in Fachingen, wo sein Sohn Max Edeling königlicher Brunnenverwalter war. Seine beiden letzten Lebensjahre verbrachte er in Niederlahnstein. Auf dem alten Friedhof an der Allerheiligenbergstraße befindet sich noch heute sein Grab. An seinem Wohnhaus Lahnstraße 11 ließ die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mainz 1983 eine Gedenktafel anbringen, die von der Firma Rhenus gesponsert wurde. In den Koblenzer Rheinanlagen nahe des Weindorfs erinnert eine Gedenktafel an diesen bedeutenden Wasserbauingenieur.

