Am 06. Mai 1849 eröffnete Adolph Kolping in Köln den ersten Gesellenverein mit dem Ergebnis, dass immer mehr solcher Einrichtungen entstanden. Auch in Niederlahnstein folgte man seinem Beispiel und gründete 1876 den „Katholischen Gesellenverein“ und als Vorstufe dazu 1899 den „Katholischen Lehrlingsverein“. Beide Vereine leisteten den Gesellen und Lehrlingen des Handwerks wertvolle Unterstützung in Beruf, Freizeit und Familie.

Das Vereinsleben spielte sich hauptsächlich in den Monatsversammlungen ab, in denen mit Vorträgen auf die Anforderungen für den Berufsstand der Gesellen eingegangen wurde. Fortbildungskurse in Rechnen, Deutsch, Zeichnen, Bürgerkunde und Steno wurden angeboten. Auf die Erfüllung der religiösen Pflichten, wie der Empfang der heiligen Beichte und Kommunion, wurde großen Wert gelegt. In den Vereinsstatuten stand ferner das Lesen passender Schriften, gediegene Unterhaltung, gemeinsame Erheiterung und gegenseitige Hilfe in der Not. Es wurde aber auch gemeinsam gesungen, geturnt, gekegelt, Schach und Theater gespielt und von Karneval bis Weihnachten viel gefeiert.
1899 wurde die ehemalige St. Josefs-Anstalt in der Emser Straße nach dem Neubau des Krankenhauses zum Katholischen Vereinshaus und blieb es mit Unterbrechung in den Kriegsjahren bis in die 1960er Jahre.
1933 erfolgte die Umbenennung: Die lokalen Gesellenvereine wurden zu „Kolpingfamilien“ und öffneten sich hierdurch für breitere gesellschaftliche Kreise.
1946 entschlossen sich der Senior des Vereins, wie die Vorsitzenden bis 1974 genannt wurden, und einige Mitglieder, die Kolpingfamilie mit dem alten Gruß „Treu Kolping“ und dem Kolpinglied wiederaufleben zu lassen. 1949 rief die Kolpingfamilie St. Barbara die Lehner Kirmes ins Leben und führte sie bis 1969 mit Engagement in eigener Regie durch. Die Kirmesmaid, eine Vorgängerin der heutigen Rhein-Lahn-Nixe, wurde 1967 mit Brunhilde Holl erstmals von ihr gestellt.
Der Verein fand in der Pfarrei St. Barbara sein Zuhause und war aktiv beim Weißen Sonntag, Pfarrfesten, Fronleichnamsprozessionen und Martinsumzügen. Seit der Wahl von Ferdi Müller zum Vorsitzenden und Bernhard Kilbinger zum Stellvertreter im Jahr 1991 wurden neue Ideen und ein attraktives Programm mit Ausflügen, Reisen, Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Betriebsbesichtigungen und Konzerten angeboten. Alle Aktivitäten sind seit dem Jahr 2000 auf der Vereinswebsite nachzulesen.
In den 150 Jahren hat die Kolpingfamilie in Niederlahnstein, im Umfeld der früheren Pfarrei St. Barbara und weit darüber hinaus, viel bewegt: Sie hat sich eingebracht, geholfen, begleitet und das gesellschaftliche Leben mitgestaltet. Zahlreiche Menschen haben hier Gemeinschaft erfahren, Freundschaften geschlossen, Glauben geteilt und bei Reisen, Festen, Vorträgen und sozialen Aktionen gemeinsam Erinnerungen geschaffen. In all den Jahren wurden die Menschen, denen es nicht so gut ging, nie aus dem Blick verloren: Mit Fasten- und Solidaritätsessen, Benefizkonzerten, Spendenaktionen und der Verlegung von Stolpersteinen setzte sich die Gemeinschaft für die Schwachen in der Gesellschaft weltweit ein.
Auch wandert die gesamte Kolpingfamilie sehr viel. Neben dem Jahresausflug werden jährlich Mehrtagesreisen angeboten – so soll es 2026 nach Rom und in Lahnsteins Partnerstadt Montesilvano gehen.

Untergruppierungen sind heute die Kolpingjugend, Senioren-Männergruppe 60plus und die die Kolping-Wandergruppe. Bis 2020 trafen sich auch regelmäßig eine eigene Skatgruppe und bis 2024 die Frauengruppe. An der Spitze des Vorstandes steht ein dreiköpfiges Leitungsteam: Claudia Hümmerich, Matthias Jung und Dr. Christian Müller teilen sich die Aufgaben. Kassierer ist Gerald Schneiders. Verstärkt wird der Vorstand von den Vertretern der Wandergruppe (Peter Stockhausen), des Seniorenstammtischs (Wolfgang Herold) und des Frauenstammtischs (Renate Müller). Ferdi Müller ist Ehrenvorsitzender. Das Amt des Präses hat traditionsgemäß der Pfarrer der Pfarrei, also heute von St. Martin-St. Damian Rhein-Lahn, Pfarrer Armin Sturm inne.
Am 14. Juni wird das 150-jährige Bestehen gefeiert. Dabei werden neben dem rot-schwarzen Kolping-Banner und dem weißen der Kolpingjugend auch die kürzlich restaurierten Fahnen des Lehrlingsvereins von 1906 und des Gesellenvereins von 1909 getragen und an 150 Jahre Vereinsleben in Niederlahnstein erinnern.

