Blick auf das Rathaus in Oberlahnstein 

Vor 40 Jahren verstarb Ehrenbürger Ernst Wagner: Der Mann, der Lahnstein auf die Höhe brachte

Durch sein beispielhaftes Wirken im örtlichen Vereinsleben und seine mannigfaltigen Aktivitäten zur Erhaltung des heimischen Brauchtums, durch das von ihm gegründete und zu überregionaler Bedeutung geführte Unternehmen - die Rheinischen Müllabfuhrbetriebe - , mit dem er einen bedeutenden Beitrag zum Umweltschutz leistet und das einen wesentlichen Faktor im Arbeitsangebot der Stadt darstellt, und durch seinen entscheidenden Einsatz beim Aufbau des in Lahnstein auf der Höhe entstandenen modernen Kurzentrums mit Thermalbad sowie der von unternehmerischem Weitblick zeugenden Einrichtung großzügiger Freizeit-, Erholungs- und Hotelanlagen, welches den Namen der Stadt weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht haben, wird Ernst Wagner zum Ehrenbürger der Stadt gewählt.“ Dies ist der Wortlaut der Ehrenbürgerurkunde, durch die Oberbürgermeister Karl-Heinz Groß am 2. Juli 1980 in der Sondersitzung des Stadtrates Ernst Wagner die Ehrenbürgerschaft verlieh.

Geboren wurde Ernst Wagner am 11. Juni 1920 in Altenburg/Thüringen. Als Bäcker- und Konditorgeselle kam er 1938 über Köln nach Lahnstein zur Bäckerei Herchen. Als er vom Bäckermeister gebeten wurde, ihn im neuerworbenen Horch zu chauffieren, machte Wagner den Führerschein und lernte dabei seine spätere Frau Lilo kennen.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er eingezogen, erlitt mehrere Verwundungen und geriet in russische Gefangenschaft. Anschließend kehrte er nach Lahnstein zurück und gründete 1948 mit seiner Frau ein Unternehmen für Autotransporte. Dieses wandelte er 1954 in die Rheinischen Müllabfuhr-Betriebe um. Sehr rasch schlossen sich die umliegenden Orte dem Oberlahnsteiner Unternehmen an und bald wurden viele Zweigbetriebsstellen eröffnet. Bis 1970 waren es bereits 34 Betriebsstätten, die den Raum zwischen Frankfurt, Düsseldorf, Betzdorf und Saarburg bedienten.

Historische Schwarz-Weiß-Porträtaufnahme eines Mannes mit zurückgekämmtem Haar. Er trägt ein helles Sakko, ein weißes Hemd und eine gestreifte Krawatte. Der Mann blickt leicht nach rechts an der Kamera vorbei, der Hintergrund ist einfarbig.
Ernst Wagner (Fotos: Sammlung Stadtarchiv Lahnstein)

Ein von Künstler Franz Eichenauer erstelltes Sgrafitto mit vorgesetztem Drahtrelief am Haus in der Sebastianusstraße 48 zeigte bis vor wenigen Jahren symbolisch den räumlichen Einsatzbereich des Unternehmens durch die Abbildungen von Kölner Dom, Limburger Dom, Frankfurter Römer, Porta Nigra in Trier und Deutsches Eck in Koblenz. Das Unternehmen zählte mit bis zu 370 Angestellten und 150 Kraftfahrzeugen, die in mehr als 2000 Städten und Gemeinden tätig waren, zu den größten privaten Abfuhrunternehmern Europas. Seine unternehmerische Tätigkeit wurde mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt.

Ernst Wagner war Initiator für den Aufbau des heutigen Stadtteils Lahnstein auf der Höhe. Hier sorgte er mit Ausdauer und Energie dafür, dass dieses Großprojekt umgesetzt wurde. Das Hotel, das Thermalbad, die Kurklinik, die Tennisanlagen und mehrere 100 Wohnungen wurden im Kurzentrum in den Jahren 1971 bis 1975 errichtet.

Leider geriet sein Wirtschaftsunternehmen in den 1980er Jahren in existentielle Schwierigkeiten. Noch kurz vor seinem Tod musste Familie Wagner das Kurhotel an eine BGB-Gesellschaft verkaufen, die es dann an die Hotelkette Dorint verpachtet hat.

Engagement bewies Ernst Wagner auch im Lahnsteiner Vereinsleben: Nachdem er viele Jahre dem Oberlahnsteiner Verkehrsverein vorstand, wurde er 1979 Gründungsvorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins Lahnstein. Zwanzig Jahre war er der 1. Vorsitzende des Carneval Comité Oberlahnstein (1956-1976) und anschließend dessen Ehrenvorsitzender. 1956 regierte er als Prinz Karneval in seiner Stadt. Ferner gehörte er mehreren Kegelvereinen an und auf sein Bemühen um die Gründung einer Lahnsteiner Stadtkapelle wurde das Jugendblasorchester Rhein-Mosel-Lahn gegründet.

Die Ehrenbürgerschaft bildete ein besonderes Dankeschön der Stadt an Ernst Wagner. 1985 wurde ihm außerdem der Hexenkrug der Stadt Lahnstein verliehen.

Ernst Wagner verstarb vor 40 Jahren am 24. Juli 1986 in Lahnstein. Ihm zu Ehren trägt der Kurpark seit 2002 seinen Namen. Dort erinnert auch ein Gedenkstein mit Bronzeplatte an ihn.