Blick auf das Rathaus in Oberlahnstein 

Sanierung des Alten Rathauses geht in die finale Phase

Die Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten am Alten Rathaus in Lahnstein biegen auf die Zielgerade ein. Wer in diesen Tagen an dem geschichtsträchtigen Gebäude vorbeigeht, blickt zwar noch auf Absperrungen und Metallstangen, doch das wird sich schon bald ändern. Das Außengerüst wird voraussichtlich in der 34. Kalenderwoche abgebaut, da die Außenfassade des historischen Baus bis Ende August fertiggestellt wird.

Der Startschuss für das Großprojekt fiel mit dem offiziellen Spatenstich am 11. Mai 2023. Während der moderne, barrierefrei gestaltete Neu- und Erweiterungsbau planmäßig bereits seit Oktober 2025 vollständig fertiggestellt ist, konzentrieren sich die Arbeiten derzeit auf das Innere des denkmalgeschützten Altbaus. Der Neubau beherbergt im Obergeschoss einen Sitzungssaal, in dem künftig Ausschüsse tagen können, und im Erdgeschoss den offiziellen BUGA-Infopoint der Stadt Lahnstein als erste Anlaufstelle der Bundesgartenschau 2029 für Bürger und Besucher. Finanziell getragen wird das Vorhaben zu einem Großteil aus öffentlicher Hand, da zwischen 80 und 90 Prozent der Gesamtkosten durch Mittel der Städtebauförderung gedeckt werden.

Im Inneren des Altbaus gleicht die Baustelle derzeit einer Zeitreise, denn die Restauratoren der Fachfirma Wibbeke sind aktuell damit beschäftigt, ursprüngliche Wandmalereien freizulegen. Dabei machten sie unlängst eine faszinierende Entdeckung: Nach dem Entfernen der alten Tapeten kam in einem der Räume ein ringsum verlaufender Fries aus der Entstehungszeit des Gebäudes im frühen 16. Jahrhundert zum Vorschein.

Um ein stimmiges Ergebnis zu erzielen, wird mit historischen Bautechniken und -materialien wie Lehm, Stroh, Schilfmatten oder Jute gearbeitet. Wie detailverliebt und substanzschonend vorgegangen wird, zeigt sich auch an der Deckenkonstruktion im ehemaligen Kerker, wo verschiedene Epochen direkt aufeinandertreffen. Hier wurden neue und alte Balken stabil miteinander verbunden, während verbrannte Holzelemente ganz bewusst stehen blieben. Zusammen mit einer teilweisen Lehmabdeckung finden sich so drei völlig verschiedene Deckenelemente nebeneinander. Auch bei der Auswahl der übrigen Werkstoffe wird auf eine ökologische und denkmalgerechte Linie geachtet: Neben Hanf, Stroh, Schilf, Lehmplatten und Kalk im historischen Bestand kam für den modernen Erweiterungsbau unter anderem robuster Basalt zum Einsatz.