Blick auf das Rathaus in Oberlahnstein 

Vor 25 Jahren erfolgten Freilegung und Teilwiederaufbau der ehemaligen Simultankirche in Friedrichssegen

Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme der ehemaligen Simultankirche in Friedrichssegen vor ihrem Abriss. Zu sehen ist das neugotische Kirchengebäude mit hohem, spitzem Kirchturm, Rundfenster und hohen Kirchenfenstern vor einem bewaldeten Hang.
Simultankirche um 1910

Dort, wo einst die Simultankirche, auch Friedenskirche genannt, bis 1937 stand, richtete der Arbeitskreis „Grube Friedrichssegen“ nach zweijährigem Freilegen und Wiederaufbau in ihren Grundmauern eine „Stätte zur Pflege heimatlichen Brauchtums“ ein. Diese wurde am 2. September 2001 mit einem ökumenischen Gottesdienst der Bevölkerung übergeben. Mitwirkende waren der Posaunenchor der Christuskirche Niederlahnstein, der Männergesangverein Eintracht Friedrichssegen der katholische Pfarrer Winfried Didinger und der evangelische Pfarrer Martin Stock. Dabei wurden die Lieder gesungen, die nachweislich schon bei der Einweihung der alten Friedenskirche am 14. Juli 1889 erklungen waren.

Der Leiter des Arbeitskreises Hans-Günther Christ erläuterte die Geschichte der Kirche, die damals in neugotischem Stil im Ortsteil „Kölsch Loch“ errichtet worden war. Mit der Wahl des Bauplatzes im Hang überragte das Bauwerk die Siedlung im Tal weithin sichtbar. Das Besondere der Kirche war, dass sie von beiden Konfessionen gemeinsam benutzt wurde, daher auch der Name „Simultankirche“. Mit dem Rückgang der Erzausbeute und der Schließung der Grube 1913 begann die Entvölkerung der Ortsteile Tagschacht und Kölsch Loch. 1912 fand der letzte katholische und 1917 der letzte evangelische Gottesdienst statt.

Von 1927 bis 1929 fand die Kirche bis zur Eröffnung der neuen Volksschule nochmals Verwendung als Sommerschule. Die Renovierungskosten für die Kirche in Höhe von 29.000 Mark konnten nicht aufgebracht werden. Nachdem die Wehrmacht auf dem Tagschacht einen Pionierübungsplatz eingerichtet hatte, wurde die ungenutzte Kirche übungshalber gesprengt.

Historische Farbaufnahme von Arbeiten an den Überresten der ehemaligen Simultankirche in Friedrichssegen. Ein gelber Radlader steht zwischen freigelegten steinernen Säulen und Bauteilen, während drei Männer die Arbeiten auf dem von Wald umgebenen Gelände beobachten.
Aufrichten der Säulen durch den Arbeitskreis, 2001 (Fotos: Sammlung Stadtarchiv Lahnstein)

60 Jahre später fanden sich einige Menschen in Friedrichssegen, die dem gewaltigen Schuttberg von ca. 500 m³ zu Leibe rückten. Zum Vorschein kam das etwa 12 mal 22 m große Fundament der Kirche und das kunstvoll gestaltete Fußbodenornament im Eingangsbereich mit einer erhaltenen Säule. Aus den Resten neugotischen Backsteinmauerwerks wurde die Kirche in ihren Grundmauern behutsam wiederaufgebaut, um den Ort wieder begehbar und erlebbar zu machen. Die Männer des Arbeitskreises Grube Friedrichssegen stammten weitgehend aus den Reihen des MGV Eintracht Friedrichssegen. Unterstützt wurden sie von ortsansässigen Firmen wie dem Bauunternehmen Lenz und der Schlosserei Blum.

Auch die verschollene zweite Säule wurde ausfindig gemacht, zurückgeholt und aufgestellt. Auf den mächtigen Säulen ruht nun ein Gestell mit Glocke und Kreuz, erstellt von Dieter Blum. Die Glocke wurde von der katholischen Kirchengemeinde St. Martin überlassen und stammt aus der katholischen Herz-Jesu-Kirche Friedrichssegen. Die Altarplatte stiftete Steinmetz Karl-Heinz Lemke. Ein Schaukasten informiert über die Geschichte des Bauwerks.

Die Erinnerungsstätte steht wie einst die Simultankirche allen Konfessionen offen Viele Jahre fand an Christi Himmelfahrt ein ökumenischer Gottesdienst statt.

Eine Fotodokumentation vom Wiederaufbau ist im Bergbaumuseum Grube Friedrichssegen einsehbar, ebenso wie zum Dorffest am 23. August in der 1965 eingeweihten neuen Friedenskirche der evangelischen Kirchengemeinde im Ortsteil Ahl.