Gegenüber der Heilig-Geist-Kapelle steht das 1897 erbaute „Haus Rheineck“, auch Villa Landmann genannt. Gottfried Landmann, ein Kaufmann und ehemaliger Bierbrauer aus Tsingtau, bewohnte es mit seiner Familie ab 1909.
Die heutige Küstenmetropole Qingdao in der Volksrepublik China war von 1898 bis 1918 Hauptstadt der deutschen Kolonie Kiautschou, die das Deutsche Kaiserreich gepachtet hatte. Sie ist noch heute weltweit bekannt für das berühmte Tsingtao-Bier. Diese Brauerei, die heute zu den zehn größten Brauereien weltweit zählt, wurde 1903 von deutschen Kolonialisten als Germania-Brauerei gegründet. Zwei Jahre zuvor hatte Gottfried Landmann die erste Brauerei in Tsingtau gegründet, denn die dort entstandene deutsche Garnison sollte auf Genussmittel wie Bier nicht verzichten. Er holte dazu aus Deutschland den Braumeister Ludwig Kell. Am 22. Januar 1901 wurde die Brauerei Landmann-Kell ins Handelsregister eingetragen. Aufgrund mangelnden Erfolgs musste sie bereits nach zwei Jahren ihren Betrieb einstellen.

Gottfried Landmann wurde am 13. Dezember 1860 in Lünen/Westfalen geboren. Er wurde Uhrmacher und Optiker. Als er um die Jahrhundertwende nach Tsingtau kam und dort ein Geschäft eröffnete, hatte er zuvor bereits einige Zeit in Südamerika verbracht. Im Adressbuch Tsingtaus von Januar 1901 wird seine Firma aufgeführt: „G. Landmann. Export, Import, Spezialgeschäft für Uhren und Goldwaren, Geschäftslokal: Marktstraße.“
Im Dezember 1901 heiratete der bis dahin ledige Landmann in Shanghai die 27-jährige Maria Goldschmidt. Das Adressbuch von 1902 nennt auch seine mit Ludwig Kell geführte Bierbrauerei. Auch betätigte sich der risikofreudige Landmann als Verleger. Wie einige andere Firmen gab auch Landmann Postkarten mit Ansichten von Tsingtau heraus. Sein Wohnhaus verlegte er in die Prinz-Heinrich-Straße und ließ es zu einem stattlichen Haus ausbauen, das noch heute in der Guangxi Road 27 steht.
Überraschenderweise entschloss sich Landmann nach einigen Jahren, seine Zelte in Tsingtau abzubrechen und nach Deutschland zurückzukehren. Das Motiv ist nicht bekannt. Er schickte seine Frau und die drei in Tsingtau geborenen Söhne 1908 nach Deutschland und verließ im Mai 1909 endgültig die Stadt. Über die Zwischenstation Frankfurt/Main ließen sie sich im August 1909 in Oberlahnstein nieder. Hier wurden dem Paar noch drei weitere Söhne geboren. Das Haus in Tsingtau vermietete er. Als im Ersten Weltkrieg die Japaner die Stadt besetzten, wurde Landmanns Grund- und Hauseigentum wie aller deutscher Besitz beschlagnahmt und verkauft.
Gottfried starb am 16. August 1926 in Oberlahnstein. Seine Witwe Marie starb am 20. März 1960 in Oberlahnstein.

