Blick auf das Rathaus in Oberlahnstein 

Ein halbes Jahrhundert Rast am Fels: 50 Jahre Blockhütte Ruppertsklamm

Die Ruppertsklamm ist und bleibt ein Magnet für Naturfreunde. Wer die wildromantische Schlucht bezwungen hat, findet seit nunmehr 50 Jahren an der markanten Blockhütte den idealen Ort für eine Pause. Doch der Weg zu diesem heute so selbstverständlichen Rastplatz war steiniger, als mancher Wanderer vermuten mag.

Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Jahr 1925. Eine große Gruppe von Menschen in zeitgenössischer Kleidung – Männer in Anzügen, Frauen in langen Kleidern und Schürzen sowie Kinder – posiert vor einer rustikalen Holzhalle mit verzierter Fassade. Im Vordergrund sitzt eine Kapelle mit Blasinstrumenten und Trommeln.
Die erste bewirtschaftete Hütte in der Ruppertsklamm, hier 1925 mit einem Lahnsteiner Verein

Bereits 1913 öffnete am Ausgang der Ruppertsklamm eine Waldschenke ihre Pforten. Unter der Bewirtschaftung von Johann Nitzling wurde sie schnell zum Sehnsuchtsziel für Ausflügler aus der gesamten Region. Doch in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs wurde die Holzhalle zerstört.

In der Nachkriegszeit kehrte das Leben zurück. 1950 entstand auf der gegenüberliegenden Seite eine neue Waldschenke, die zunächst von Fritz Reinhardt und später von Georg Zapperdil geführt wurde. Mit ihrem Abriss Ende September 1971 endete jedoch vorerst das Kapitel der bewirtschafteten Gastronomie in der Ruppertsklamm.

Farbfotografie aus dem Jahr 1970. Zu sehen ist eine rustikale, bewirtschaftete Waldschenke mit Satteldach und einer hölzernen Terrasse auf einem Steinfundament. Das Gebäude liegt an einem Hang im Wald, der Boden ist leicht mit Schnee bedeckt. Ein Schild über dem Eingang weist auf die Bewirtung hin.

Was sollte folgen? In der Stadtratssitzung im Dezember 1973 wurde ein Sonderausschuss „Ruppertsklamm“ gebildet, der die Errichtung einer Schutzhütte oder Waldgaststätte abschließend beurteilen sollte. Die Empfehlung dieses Sonderausschusses sah den Bau einer rustikalen Waldgaststätte vor, inklusive Wohnung für einen Pächter. Die Kostenobergrenze lag bei stolzen 130.000 DM. Doch im Stadtrat regte sich Widerstand. Das Risiko, ein Gebäude mit Wohnung zu bauen, ohne einen Pächter in Aussicht zu haben, erschien vielen zu hoch. Man einigte sich im Februar 1974 mehrheitlich auf einen Kompromiss: Ein Schankraum mit Küche und erforderlichen Nebenräumen sollte entstehen, die Wohnung nur als spätere Option.

In der Stadtratssitzung vom 10. Juni 1975 wurde um Auskunft über den Sachstand gebeten. Hierzu führte der Vorsitzende aus, „dass für die Baugenehmigung im Außenbereich eine Zustimmung der Kreisverwaltung erforderlich sei. Diese habe die Zustimmung versagt, ein Widerspruch wurde gegen diese Entscheidung erhoben. Zurzeit arbeite die Verwaltung an der Realisierung einer sogenannten kleinen Lösung: eine offene Blockhütte mit Grillplatz.

Am 18. August 1975 fiel die endgültige Entscheidung: Der Stadtrat beschloss einstimmig den Bau einer offenen Hütte für rund 70 Personen, inklusive Teilunterkellerung und Toiletten.

Im Frühjahr 1976 war es so weit. Mit finanzieller Unterstützung aus Mitteln des Naturparks Nassau wurde die Blockhütte für rund 46.700 DM fertiggestellt. Pünktlich zum 1. Mai 1976 wurde das Bauwerk im Rahmen eines Wäldchenfestes eingeweiht. Pläne für eine spätere Schankwirtschaft oder wassergespülte Toiletten wurden zwar noch oft diskutiert, scheiterten jedoch immer wieder an den enormen Kosten und umfangreichen gesetzlichen Auflagen.

Was als Notlösung begann, hat sich als goldrichtig erwiesen. Seit 50 Jahren ist die Blockhütte nun ein Ort zum Picknicken und Grillen nach dem Aufstieg.