Als aktuelles Projekt des Forestivals verwandelt die „Innenstadtgalerie“ im Theater Lahnstein den Ort in einen lebendigen Schauplatz zweier außergewöhnlicher künstlerischer Positionen. Parallel zur großen Outdoor-Ausgabe in Friedrichssegen präsentiert die Ausstellung unter dem Titel „Aneignung der Welt“ mit Udo Havekost und David Hardy zwei Künstler, die zwar tief in der Region verwurzelt sind, deren Schaffen jedoch eine radikale, internationale Strahlkraft besitzt. Beide zeigen ihre Arbeiten nacheinander in einem bewusst gestalteten Übergang, der keine scharfen Trennlinien kennt.
Udo Havekost – Raum und Ritual
Den Auftakt macht der Holzbildhauer und Installationskünstler Udo Havekost. Als enger Weggefährte des Regisseurs Christoph Schlingensief begleitete er von 2004 bis 2010 einige der radikalsten Momente des deutschen Gegenwartstheaters. Aus dieser Zusammenarbeit entstand die „Church of Fear“ (CoF), die Havekost in der Galerie neu errichten wird. Dabei handelt es sich nicht um ein konventionelles Kunstobjekt, sondern um eine begehbare Glaubensstruktur, die den Raum besetzt und das Verhältnis von Gemeinschaft, Glaube und (Ehr-)Furcht verhandelt. Begleitet wird die Installation von Skulpturen voller handwerklicher Präzision, die von Patina, Eigenwillen und einem bereits gelebten Leben zeugen. Die Vernissage findet am Samstag, 23. Mai 2026 um 18.00 Uhr statt.
David Hardy – Le Suisse Marocain
Im Oktober übernimmt David Hardy den Raum. In Lahnstein aufgewachsen, zog es ihn nach Paris und hinaus in die Welt. Seine Ausstellung ist eine Heimkehr, aber keine nostalgische: Lahnstein ist für ihn lediglich ein weiterer Punkt auf einer Karte, die er seit Jahrzehnten unermüdlich überschreibt. Die Vernissage findet am Donnerstag, 28. Oktober 2026 statt.
Der Übergang als Konzept
Der fließende Wechsel zwischen den Künstlern ist eine zentrale kuratorische Entscheidung: Was von Havekosts massiven Installationen stehen bleibt, wenn Hardy einzieht, macht den Übergang selbst zum Kunstwerk. Kunst braucht nach Ansicht der Kuratoren keine sauberen Schnitte.
Beide Künstler eint der Mut, sich Räume zu nehmen, Handwerk mit konzeptuellem Ernst zu verbinden und sich konsequent abseits geebneter institutioneller Pfade zu bewegen. Es sind zwei radikale Positionen, die das spartenübergreifende Spektrum des Forestivals im Kern ausmachen.
Zu besichtigen sind die Kunstwerke jeweils ab einer Stunde vor Beginn der Theatervorstellungen.

