Der erste fest organisierte Rosenmontagsumzug in Oberlahnstein im Jahr 1935 führte dazu, dass auch die Niederlahnsteiner Narren einen regelmäßigen Umzug einrichten wollten. So trafen sich am 11.11.1935 im Gasthaus „Rheinterrasse“ elf Urgesteine, alles Mitglieder der Niederlahnsteiner Karnevalsgesellschaft 1911. Diese waren Wilhelm Bär, Balthasar Nottermann, Andreas Nass, Georg Staudt, Heinrich Berndt, Wili Hastrich, Johann Jaax, Heinrich Annas, Toni Prümm, Fritz Herz und Rudi Laux.
Sie beschlossen, für 1936 einen Karnevalsdienstagszug zu organisieren, den sie „Kappenfahrt“ tauften. Dieser Umzug durch Niederlahnstein sollte nicht dem Charakter eines Rosenmontagzuges entsprechen. Die Idee der Gründer war vielmehr, dass die Kappenfahrt mit überwiegend bunt gemischten Fußgruppen durch die Straße und Gassen zieht. 1936 wurde die erste Kappenfahrt ein großer Erfolg. Mit dabei war der Festwagen der Großen Niederlahnsteiner KG, die gleichzeitig ihr 25-jähriges Jubiläum feierte. Auf diesem Festwagen fuhr auch die erste Erdbeerkönigin Gertrud Krah-Nitzling mit.

Schon damals war die Finanzierung ein Problem. Beispielsweise wollte man 1937 die Ausrichtung der Kappenfahrt davon abhängig machen, ob nach den Saalveranstaltungen genügend Geld übrigblieb. Ganze 19,26 Mark reichten schließlich aus, die Kappenfahrt stattfinden zu lassen – heute ist ein fünfstelliger Euro-Betrag nötig. Nachdem 1938 erstmals die Vereine um Unterstützung angeschrieben worden waren, fand die Kappenfahrt bald durch den Zweiten Weltkrieg eine längere Unterbrechung.
Ende der 1940er Jahre erwachte allmählich das karnevalistische Treiben, allerdings spontan und unorganisiert. Die erste Kappenfahrt nach dem Krieg fand 1951 statt, als der neugegründete Niederlahnsteiner Carnevalsverein (NCV) die Ausrichtung übernahm. Dieser Tradition hat sich der NCV bis heute verpflichtet.
Die Kappenfahrt wuchs ständig. Waren es im Jahr 1960 noch 40 Programmpunkte mit sechs Musikkapellen, waren es 1995 sogar 120 Zugnummern und 19 Kapellen auf einer Länge von 2,3 Kilometern. Damals wurde die Kappenfahrt erstmals von einem Privatfernsehsender übertragen.
Seit 1951 musste die Kappenfahrt fünfmal ausfallen: 1962 wegen der Flutkatastrophe in Norddeutschland, 1990 wegen des Sturms Wiebke, 1991 wegen des Golfkriegs sowie in den Jahren 2021 und 2022 wegen der Covid-19-Pandemie.
An einer typischen Kappenfahrt nehmen rund 1.500 Aktive teil; 2014 waren es 25 Motiv- und Komiteewagen sowie 38 Fußgruppen. Immer dabei sind neben dem NCV das Carneval Comité Oberlahnstein, die Prinzengarde Funken-Blau-Weiß, die Gesellschaftliche Vereinigung 1924, die Traditionsgarde Rot-Weiß, die Närrische Turmgarde, die Turngemeinde Oberlahnstein 1878, der Möhnenclub Immerfroh, die Rhein-Lahn-Jecken sowie die kleinen und großen Tollitäten. Auch auf die Gruppen der Nachbarorte ist Verlass. Die Musikkapellen kommen aus einem größeren Radius, sogar die Igla-Gugger aus der Schweiz waren mehrmals dabei.
Mit der Länge des Zuges wuchs auch der Aufwand, was den Posten des Zugleiters immer wichtiger machte: Die Organisation oblag Manfred Benz (1981 - 1988), Josef Kaiser (1989 - 1995), Michael Sturmes (1996 - 2020) und heute Robert Maxeiner. Außer der Unterstützung durch Institutionen wie Polizei, Bauhof, Sanitäter und Feuerwehr ist auch die finanzielle Unterstützung der Bevölkerung durch Haus- und Tellersammlungen sowie durch Sponsoren aus Handel und Gewerbe nötig, sodass am 17. Februar um 14.00 Uhr die NCV-Kappenfahrt im 91. Jahr starten kann.

