Blick auf das Rathaus in Oberlahnstein 

Vor 20 Jahren wurde das Heiligenhäuschen am Kreisel Koblenzer Straße neu errichtet

Anlässlich der Einweihung der neugestalteten Koblenzer Straße im Jahr 2006 wurde neben dem neu errichteten Kreisel Industriestraße / Koblenzer Straße ein Bildstock eingesegnet, dessen Vorgeschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht.

Im 30jährigen Krieg, genauer im Winter 1633/34, drangen die Schweden in die Gegend von Horchheim und Niederlahnstein. Da den Einwohnern die Gräueltaten dieser Krieger aus früheren Jahren bekannt waren, waren sie von Angst erfüllt. Als die Schweden vor den Toren erschienen, flüchteten die Horchheimer in den nahegelegenen Wald, der sich auf Niederlahnsteiner Gemarkung vom Lichterkopf zum Rhein zog, wo ihnen ein Hohlweg Schutz bot. Doch nach kurzer Zeit ging die Verpflegung aus. Da die Schweden erst nach Tagen weiterzogen, erfror und verhungerte eine große Anzahl der Flüchtlinge. Seit dieser Zeit heißt der vom Wald führende Hohlweg „Hungergasse“, heute die Straße zwischen Christian-Sebastian-Schmidt-Straße und Kölner Straße.

Kurz nach dem Abzug der Schweden erreichte ein Teil der Kroaten die Stelle, an der die Geflüchteten vor Hunger gestorben waren. Da die Kroaten die Flüchtlinge rächen wollten, allen voran ihr Hauptmann Janko Draganic, entstand eine blutige Rache gegen die Schweden. Alle, die in seine Hände fielen, wurden niedergemacht. Daher war er bei den Feinden gefürchtet, von der Landbevölkerung aber verehrt. Auf Draganic wurde ein Kopfgeld ausgesetzt. Nach langem Kampf wurde er getötet. Seine Leiche wurde nach Oberlahnstein gebracht und im Martinsschloss aufgebahrt. Am vierten Tage wurde er in einem langen Trauerzug zur Kirche gebracht und anschließend wahrscheinlich in die Heimat überführt.

An der Stelle, wo Janko Draganic gefallen sein soll, setzten die Bauern ihm im 17. Jahrhundert ein Kreuz. Dieses wurde gegen Mitte des 18. Jahrhunderts durch ein der Muttergottes gewidmetes Heiligenhäuschen ersetzt. Nach Ansiedlung der Firma Drahtwerke Schmidt wurde der Bildstock im 19. Jahrhundert versetzt und im 20. Jahrhundert mehrmals restauriert. Mit dem Ausbau der Koblenzer Straße musste er abermals weichen und wurde schließlich am Kreisel beim Baumarkt neuerrichtet.

Die Heimatfreunde Horchheim e. V. haben sich seit den 1990er Jahren um die Erhaltung dieses Bildstocks verdient gemacht und auch den neuen in ihre Obhut genommen. Anlässlich der Einsegnung durch Pfarrer i. R. Josef Müller im Dezember 2006 dankten der damalige Oberbürgermeister Peter Labonte und Bürgermeisterin Gabi Laschet-Einig den Heimatfreunden Horchheim unter ihrem Vorsitzenden Jochen Hof und dem Ehrenvorsitzenden Robert Stoll für die ehrenamtliche Betreuung des Bildstocks. Für deren Nische stiftete die Familie Gillissen eine hölzerne Gottesmutter mit Jesuskind im Arm. Anfang April 2026 wurde der Bildstock aufgebrochen und die Marienfigur gestohlen. Nähere Hinweise nimmt die Polizei entgegen.