Blick auf das Rathaus in Oberlahnstein 

Die Archäologie der Erinnerung: Dagmar Leupold auf den Spuren der Mutter

Wie nähert man sich einem Menschen an, der einem am nächsten stehen sollte und doch zeitlebens eine Fremde blieb? Die gebürtige Lahnsteinerin Dagmar Leupold stellt sich in ihrem neuen Roman „Muttermale“ dieser schmerzhaften Herkulesaufgabe. Es ist eine literarische Spurensuche, die weit über das Private hinausgeht und die großen Traumata des 20. Jahrhunderts berührt.

Leupolds Mutter, vor über einem Jahrhundert in Ostpreußen geboren, trug die unsichtbare Last der Flucht vor der Roten Armee und das Schweigen der Nachkriegsjahre mit sich in den deutschen Westen. In einer Zeit, in der das Vorwärtsblicken Pflicht war, blieb das Erlebte unbesprochen – und die Mutter für die Tochter ein Rätsel.

In „Muttermale“ fungiert Leupold als eine Art Chronistin des Flüchtigen. Sie nutzt Alltagsgegenstände, alte Fotografien und die spezifische Melodie mütterlicher Sätze, um das Schweigen zu brechen. Sie schont in ihrem virtuosen, behutsamen und doch unerbittlichen Schreibstil weder sich noch die Geschichte, während sie versucht, das Trauma hinter der bürgerlichen Fassade freizulegen. Ein wichtiges Werk über die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen.

Die Lesung ist eine Kooperationsveranstaltung zwischen der Stadtbücherei Lahnstein und dem Theater Lahnstein und findet am 19. Juni um 19.30 Uhr im Theater statt. Tickets sind online unter www.theaterlahnstein.de sowie an allen Vorverkaufsstellen von Ticket Regional erhältlich, darunter auch in der Touristinfo am Salhofplatz.