Bis zum Jahr 1970 gab es in Lahnstein eine Jugendherberge, die sich am Marktplatz im Gebäude Bahnhofstraße 13a befand. Bei dem Bauwerk handelt es sich um das ehemalige Bürogebäude des Reiter’schen Anwesens, das die Stadt Niederlahnstein 1925 erworben hatte. Ab März 1926 richtete die Stadt dort zwei Räume mit insgesamt 24 Betten für männliche Wanderer ein und übertrug die Betreuung dem Niederlahnsteiner Verkehrsverein. Das Amt des Herbergsvaters übernahm zunächst Heinrich Maxeiner, gefolgt von Peter Hastrich ab 1934. Im selben Jahr wurden im Obergeschoss drei weitere, kleinere Räume mit zwölf Betten für weibliche Gäste eingerichtet. Auf Wunsch des Herbergsverbandes übernahm dieser 1938 die Trägerschaft in Eigenregie; die Stadt vermietete das Gebäude mitsamt der Jugendherberge hierfür an das Deutsche Jugendherbergswerk.
Im Verzeichnis der deutschen Jugendherbergen von 1950 wurde die Niederlahnsteiner Einrichtung als eine von landesweit 44 Standorten in Rheinland-Pfalz geführt – neben Kamp-Bornhofen war sie die einzige im damaligen Kreis St. Goarshausen. Eine Übernachtung kostete zu dieser Zeit für Kinder 30 Pfennige und für Erwachsene 60 Pfennige. Herbergsvater war seit 1942 Franz Breitenbach, in den 1960er Jahren das Ehepaar Braun.
Ein Pressebericht vom Juli 1962 liefert detaillierte Einblicke in den damaligen Betrieb. Die Herberge umfasste mittlerweile sieben Schlafräume: fünf kleinere Zimmer im ersten Obergeschoss für Mädchen sowie zwei große Säle im Erdgeschoss für Jungen.
Herbergsvater Braun sprach von einer beachtlichen Auslastung. Nicht nur deutsche Wanderer und Reisegruppen kehrten hier ein, sondern auch zahlreiche internationale Gäste, die das romantische Rheintal erkunden wollten. So verzeichnete die Statistik für den Juli 1967 beispielsweise 109 Franzosen, 67 Engländer, 47 Holländer sowie neun US-Amerikaner und zwei Gäste aus Südamerika. Die Gesamtzahl der Übernachtungen belief sich in jenem Monat auf 1.272. Eine Tagesvollverpflegung mit drei warmen Mahlzeiten wurde damals für 3,60 DM angeboten.

Obwohl die Jugendherberge stets tadellos gepflegt war, konnte sie aufgrund der Bausubstanz und der räumlichen Enge langfristig nicht mit modernen Neubauten konkurrieren. Mit der Zeit blieb der Zustand weit hinter den Anforderungen zurück, Investitionen galten als unrentabel. Aufgrund dieser baulichen und räumlichen Mängel verlängerte das Jugendherbergswerk den letztmals 1954 geschlossenen Vertrag im Jahr 1970 nicht mehr und beschloss, den Standort Lahnstein aufzugeben.
Der Stadtrat entschied daraufhin, das Gebäude als Ort für partnerschaftliche Begegnungen, insbesondere für den Jugendaustausch mit Partnerstädten, zu erhalten und es zudem örtlichen Jugendverbänden zur Nutzung zur Verfügung zu stellen. In der Folgezeit bezog die Jugendfeuerwehr das Erdgeschoss, während das Obergeschoss vom Verband Christlicher Pfadfinder genutzt wurde. Zudem dienten die Räumlichkeiten weiterhin als Unterkunft für Gruppen, die auf Einladung lokaler Vereine in Lahnstein zu Gast waren.
Im Jahr 1988 zog die Jugendfeuerwehr in den Schlauchturm um; das Erdgeschoss der ehemaligen Jugendherberge wurde daraufhin renoviert und der Wache Nord als Aufenthaltsbereich mit Dusche, WC und Hochwasserküche übergeben. Seit dem Umzug der Wache Nord in die Didierstraße im Jahr 2011 nutzt nun der Niederlahnsteiner Carneval Verein einige der Räume zur Lagerung seines Fundus.

