In Lahnstein entstanden in den 1950er und 1960er Jahren mehrere Siedlungen, die ihre Ursachen in der Behebung der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg hatten. In Oberlahnstein und Friedrichssegen waren dies die Baugruppen der Siedlergemeinschaft St. Martin, die Siedlung Friedland und die Siedlung St. Florian, in Niederlahnstein die Siedlungen im Lag und am Allerheiligenberg.
Der Bundestag hatte 1950 das Erste Wohnungsbaugesetz verabschiedet. Bestimmendes Architekturkonzept wurde die gegliederte aufgelockerte Stadt mit getrennten Wohn- und Gewerbebereichen, Grünflächen und Siedlungsbereichen. Der Lahnsteiner Kaufmann und Kommunalpolitiker Johannes Knauf suchte nach familiengerechten Lösungen und fand Unterstützung in dem deutschen Siedlungsvater Nikolaus Ehlen, der in Velbert und Umgebung mehrere Siedlungen gegründet hatte. Knauf machte den katholischen Familienkreis Oberlahnstein mit seiner Idee vertraut. Anfang September trafen sich die bauwilligen Oberlahnsteiner.
Nach weiteren Verhandlungen, auch mit der Siedlungsgesellschaft „Das familiengerechte Heim“ in Worms, gründete sich am 22. September 1952 die Siedlergemeinschaft St. Martin Oberlahnstein, bestehend aus den Siedlungsgruppen Oberlahnstein und Friedrichssegen. Die Siedlergemeinschaft wurde als politisch und konfessionell neutral in das Vereinsregister eingetragen. Bei der Aufnahme der Siedlungswilligen wurde kein Unterschied in der Konfessionszugehörigkeit gemacht. Heimatvertriebene wurden ebenso wie Einheimische aufgenommen. Bauträgerschaft übernahm die gemeinnützige Siedlungsbau GmbH „Das familiengerechte Heim“ in Worms. Für den Bau eines Hauses wurden 3.000 Arbeitsstunden veranschlagt. Jedes Mitglied musste monatlich 20 DM einzahlen. Das Land bewilligte zahlreiche Darlehen für den Siedlungsbau, der Stadtrat ein Darlehen über 60.000 DM für die Landbeschaffung. Als Baugelände einigte man sich auf das Gartengelände nördlich des Friedhofs Braubacher Straße.
Anfang 1953 wurde mit den Vermessungs- und Straßenbauarbeiten begonnen. Unterstützt durch Pfarrer Hergenhahn, der das Bauen erst durch den Verkauf von Kirchengelände möglich machte, begann die Gemeinschaft am 22. Februar 1953 mit dem ersten Spatenstich an den Baustellen in Oberlahnstein und Friedrichssegen das Siedlungswerk. Am 16. Mai 1953 legte Bischof Wilhelm Kempf von Limburg den Grundstein für den ersten Bauabschnitt. Knauf sprach in seiner Rede von der „schnellstbauenden Siedlergemeinschaft der Bundesrepublik“. Bereits am 1. August 1953 konnte für die ersten 22 Häuser des ersten Bauabschnitts ein gemeinsames großes Richtfest gefeiert werden. Im März 1954 wurde von den Siedlern eine eigene Wasserleitung von der Grenbach zur Siedlung gelegt. Dazu musste jeder Siedler 15 Meter Graben ausheben. Im Sommer 1954 konnten die ersten Familien in ihre Häuser einziehen. Bis 1969 waren in acht Bauabschnitten 92 Häuser durch die Siedlungsgruppe fertiggestellt. Die St.-Martin-Siedlung hatte sich zu einem Vorzeigeobjekt Lahnsteins entwickelt und wurde in den Jahren 1958 und 1960 als „schönste Kleinsiedlung in Rheinland-Pfalz“ ausgezeichnet. Zum Spatenstich des 100. Eigenheimes, einschließlich Friedrichssegen, reiste Bundeswohnungsbauminister Paul Lücke 1961 nach Lahnstein.

In Friedrichssegen wurden im Juli 1954 die ersten acht Siedlerstellen im Ortsteil Ahl nahe der Bahn bezogen. Einen Monat später wurde das Baugelände im Süßgrund erworben. Im Juni 1957 waren schließlich alle Siedlerstellen fertig und bewohnbar. 26 Siedlerfamilien mit 165 Personen konnten aus schwierigsten Wohnverhältnissen in familiengerechte Heime einziehen. Neben Beruf oder Ausbildung haben die Siedler rund 25.000 Stunden Selbsthilfe geleistet. 1955 wurde die Siedlergemeinschaft von Seiten zuständiger Stellen des damaligen Kreises St. Goarshausen gebeten, acht Umsetzerfamilien aufzunehmen, also heimatvertriebene deutschstämmige ehemalige Bewohner aus den Gebieten Siebenbürger und Banat. Der Umsetzerbauabschnitt wurde nicht in Selbsthilfe errichtet, sondern für die Rohbauten ein Unternehmer eingesetzt.
Durch Verkauf von Gelände an die Evangelische Baugemeinde Oberlahnstein e.V. entstand die Siedlung Friedland. Mit Hilfe der Gemeinnützigen Siedlungsgemeinschaft des Evangelischen Hilfswerkes der Landeskirche Hessen und Nassau wurden in Selbsthilfe Häuser für rund 600 Personen errichtet. Bei den ersten Bewohnern handelte es sich vornehmlich um Flüchtlinge und Spätaussiedler mit evangelischer Konfession aus Ostpreußen und Schlesien. Mit der Gründung einer eigenen Kirchengemeinde wurde Friedland eine bessere geistliche Versorgung vor Ort in Aussicht gestellt, weshalb es 1973 zum Bau von Gemeindehaus und Kindergarten kam.
Die kleinste Siedlung Lahnsteins ist St. Florian. Hier hatten in Zusammenhang mit dem im Mai 1962 eröffneten Feuerwehrgerätehaus in Oberlahnstein auf Initiative von Wehrleiter Josef Schwan acht Feuerwehrmänner in Eigenleistung die Siedlung St. Florian geplant und gebaut.
Die Siedlung im Lag entstand Ende der 1950er Jahre. Wo seit den 1930er Jahren Erdbeeranbau betrieben wurde, kam die Stadt der Anregung des Verbandes der Heimkehrer nach, dieses stadteigene Gelände für Bauzwecke zur Verfügung zu stellen. Auch wurden die ständigen Nachfragen nach Bauland immer größer, als 1957 die Kasernen durch Angehörige der Bundeswehr belegt wurden. Nach längeren Beratungen wurde vom Stadtrat ein Teilbebauungsplan beschlossen und von der Aufsichtsbehörde genehmigt. Die Kosten für den Bau der 1.200 Meter langen Straße „Im Lag“ einschließlich der Errichtung für Be- und Entwässerung übernahm die Stadt. Die baureifen Grundstücke wurden an die verschiedenen Baugesellschaften verkauft, die teils Wohnungen für Angehörige der Bundeswehr als auch andere zweckgebundene Wohnungen errichteten, beispielsweise der Gemeinnützigen Baugenossenschaft zum Bau von fünf Eigenheimen und 20 Wohnungen. Der Verband der Heimkehrer und Spätheimkehrer „Glaube und Tat“ errichtete in organisierter Selbsthilfe 20 Eigenheime. Am 25. Oktober fand das Richtfest im Beisein aller Siedler und zahlreicher Ehrengäste statt. 1962 lebten hier bereits über 1.000 Menschen in rund 250 Wohnungen.
In einer Talsenke vor Kloster und Kirche Allerheiligenberg, in der bis Anfang der 1960er Jahre noch Landwirtschaft betrieben wurde, entstand ab Mitte der 1960er Jahre in Eigenleistung und Gruppenselbsthilfe eine Siedlung aus 30 Eigenheimen. Träger war wie bei der St.-Martin-Siedlung die Siedlungsbaugesellschaft „Das familiengerechte Heim“ aus Worms, die sich 1963 erstmals mit bauwilligen Interessenten traf. Die Wohnungssuchenden stammten weitgehend aus der Kolpingfamilie Niederlahnstein und gründeten noch im gleichen Jahr die „Siedlergemeinschaft Allerheiligenberg“. Nach Sicherung der Finanzierung konnte im November 1966 der erste Spatenstich vollzogen werden. Die Neusiedler steckten viel Freizeit in den Bau ihrer Häuser. Ab der zweiten Jahreshälfte 1968 erfolgte der Bezug der ersten Häuser. Es dauerte noch, bis die Siedlungshäuser mit Strom und Wasser versorgt wurden, auch die Straßen glichen noch Schlammpfaden. 1973, nach rund siebenjähriger Bauzeit, wurden die letzten Häuser bezogen. Während der Anfangsphase gehörte die Siedlergemeinschaft dem Verein Katholischer Siedler (VKS) an. Zum 1. Juni 1968 wechselte sie zum Deutschen Siedlerbund (DSB). Darüber hinaus hat die Wohngemeinschaft viele Aktivitäten im zwischenmenschlichen Bereich entwickelt. Auch konnte sie beim Wettbewerb „Die beste Kleinsiedlung“ sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene 1982 den Gewinner stellen und wurde auch in jüngerer Zeit mehrfach ausgezeichnet.
Eine kleine Ausstellung mit Dokumenten und Plänen zum Siedlungsbau ist im Stadtarchiv Lahnstein von März bis September 2026 zu sehen. Am 8. März hat das Archiv, das sich am Kaiserplatz 1 befindet, zum „Tag der Archive“ von 13.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

