Blick auf das Rathaus in Oberlahnstein 

Vor 200 Jahren wurde Pfarrer Joseph Wolf geboren

Joseph Wolf, geboren am 26. Februar 1826 in Steinbach im Kreis Hadamar, war Geistlicher, der im 19. Jahrhundert das religiöse Leben in Niederlahnstein entscheidend prägte. Im August 1851 zum Priester geweiht, wirkte er 35 Jahre hindurch als Kaplan, Pfarrverwalter und seit Oktober 1861 als Pfarrer in Niederlahnstein. In seine Amtszeit fallen die Restaurierung der Johanniskirche, die Errichtung der St. Josephsanstalt und die Errichtung des Stationenweges am Allerheiligenberg.

Joseph Wolf war bereits Pfarrverwalter als er sich 1858 an die Genossenschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi (Dernbacher Schwestern) wandte, die daraufhin drei Schwestern zur ambulanten Krankenpflege nach Niederlahnstein entsandten. Nach mehrfachem Wohnungswechsel bezogen sie 1866 das von der Kirchengemeinde erworbene zweistöckige Haus in der Emser Straße 36, das spätere Katholische Vereinshaus. Hier richteten sie neben Krankenzimmern auch eine „Kinderverwahrschule“ sowie eine „Näh- und Haushaltsschule“ ein. Sicherlich spielte Wolfs Vorname eine Rolle bei der Namensvergabe der Anstalt nach dem Heiligen Joseph. Hochwasser und Raumnot behinderten die Tätigkeit, sodass die Schwestern einige Jahre nach Wolfs Tod in den Neubau des Josefskrankenhauses in der Bergstraße zogen.

Angeregt durch den Arenberger Pfarrer Kraus, mit dem er befreundet war, ließ Pfarrer Joseph Wolf entlang des Weges zur alten Kapelle auf dem Allerheiligenberg die Rosenkranzkapellchen bauen. Er machte mächtig Werbung, sodass durch Veranstaltungen, wie Benefizkonzerte, bei denen sowohl Lahnsteiner als auch Koblenzer Chöre mitwirkten, viele Spenden eingingen. In den Stationen sind die 15 Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes dargestellt. Jede Andachtsstätte zeigt eine Szene aus dem Marienleben. Nach Arenberger Vorbild wurden dunkle Schlackensteine, Erze, Kristalle und Halbedelsteine in herrlicher Farbenpracht kunstvoll eingemauert. Die Einweihung erfolgte am 11. Mai 1874 durch den Limburger Bischof Blum.

Am 3. Oktober 1886 durfte Wolf sein 25-jähriges Pfarrjubiläum in Niederlahnstein feiern. Das große Fest begann mit Glockengeläut und Böllerschießen und feierlicher Prozession zur Johanniskirche. Dort zelebrierte der Jubilar selbst das Hochamt, Kaplan Eichhorn aus Ems hielt die Festpredigt. Der anschließende Festzug endete am Pfarrhaus, wo Wolf einen gediegenen silbernen Pokal und ein prächtiges Brevier geschenkt bekam. Am Abend ging ein Fackelzug unter den Klängen einer Musikkapelle durch den Ort, dem sich etliche Vereine anschlossen. Bürgermeister Christoph Strobel hielt eine Ansprache, bevor der Abend feuchtfröhlich in einer Niederlahnsteiner Gaststätte endete.

Zwei Wochen später, am 14. Oktober 1886, erlag Joseph Wolf einer kurzen, schweren Krankheit. Der Lahnsteiner Anzeiger schrieb anlässlich seines plötzlichen Todes: „Der Dahingeschiedene war ein Priester von echter Frömmigkeit, …von tadellosem Wandel und praktischer Tüchtigkeit.“ Wie beliebt er war, zeigt die große Anteilnahme der Bevölkerung und der Geistlichkeit. Unzählige Menschen und 43 (!) Priester aus nah und fern nahmen an der Beerdigung teil. Der Limburger Bischof Dr. Klein zelebrierte das Traueramt in der St. Barbara-Kapelle, die Vorgänger der Barbarakirche war, und Pfarrer Locher von Bad Ems hielt die Grabrede.