Blick auf das Rathaus in Oberlahnstein 

Nikolai von Astudin – ein später Rheinromantiker: Ausstellung im Nassau-Sporkenburger Hof widmet sich dem Kunstmaler

Traditionelles Fachwerkhaus mit weißer Fassade und dunklen Holzbalken, Blumen an den Fenstern und blauem Himmel im Hintergrund.
Astudins Wohnhaus in der Gymnasialstraße 11 (Foto: Mira Bind / Stadtverwaltung Lahnstein)

„Hier lebte der Maler Nicolai von Astudin und seine Gemahlin 1915-25“ steht auf einer Gedenktafel, die die Stadtverwaltung 1962 am Haus Gymnasialstraße 11 anbrachte. Dieses ließ der Künstler für sich und seine Frau Johanna, geb. Meineke, bauen. Erst drei Jahre zuvor wurde der gebürtige Russe nach langen Jahren der Wanderschaft in Oberlahnstein sesshaft. Nach seinem Tod am 8. August 1925 geriet der Künstler bald in Vergessenheit – sein romantisierender, schwermütiger Malstil traf nicht den Geschmack der Zeit. In den 1960er Jahren wurde Astudins Malerei wiederentdeckt und allseits gelobt. Die Stadtverwaltung Oberlahnstein widmete ihm 1962 eine vielbeachtete Ausstellung in der Volkshochschule.

Über die Kindheit des am 9. Juli 1847 bei Moskau geborenen Aristokratensohnes ist viel spekuliert worden. Ob er tatsächlich einen Adelsnamen trägt, ist nicht gesichert. So signiert er selbst seine Gemälde mit „N. Astudin“, also ohne das Adelsprädikat „von“. Erzogen wurde er in St. Petersburg. Seine Familie scheint recht vermögend gewesen zu sein, denn als junger Mann durchwanderte er finanziell unabhängig viele Teile Europas. In den 1860er Jahren führte sein Weg über Berlin nach Paris, wo der berühmte Aquarellist und Kunstprofessor Armand-Théophile Cassagne (1823–1907) sich ihm annahm und seine Begabung förderte. Hier lernte er die Fertigkeit der Farbmischungen, die prägend für seinen Malstil wurden.

Der Erlös aus dem Verkauf seiner Bilder bot ihm die Möglichkeit, viele Galerien in Europa zu besuchen. Studienreisen führen ihn nach Finnland, in die Alpenländer und nach Italien. Die nächsten Studienjahre verbrachte er in Berlin, wo für 1876 und 1877 eigene Ausstellungen belegt sind. In den 1880er Jahren wohnte er längere Zeit in München, wo ihn künstlerisch Carl Rottmann beeinflusste. Er lernte auch den malerischen Realismus Eduard Schleichs kennen oder Carl Spitzwegs Heiterkeit, ohne dass er den Versuch unternahm, ihre Maltechnik zu kopieren. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Kassel führte ihn der Weg über Gießen, Wetzlar, lahnabwärts nach Nieder- und Oberlahnstein.

Historische Ansicht von Koblenz am Deutschen Eck mit Reiterstandbild, Flussschiffen und Brücke im Hintergrund; leicht verblasste Farben wie bei einer alten Postkarte.
Koblenz Deutsches Eck, Ansichtskarte nach einem Astudin-Motiv (Foto: Sammlung Stadtarchiv Lahnstein)

Auf einer seiner Reisen lernte Astudin die in Braubach geborene und dort ansässige junge Johanna Meineke kennen, eine Tiermalerin mit poetischen Ambitionen. Sie heirateten 1896 in Alexandrowno bei Thorn und zogen später nach Bonn, ehe sie 1912 in der Adolfstraße 3 ihre erste Lahnsteiner Wohnung bezogen. In dieser späten Phase malte er vornehmlich Rheinmotive und wiederholt die Burg Lahneck oder die Pfalz bei Kaub.

Neben den Aquarellen, Pastellen und Ölbildern auf Leinwand sind vor allem Postkarten nach Entwürfen des Künstlers bekannt, die bis in die 1970er Jahre im Angebot der Andenkenläden von Mainz bis Köln zu finden waren. 42 Motive vom Rhein, acht von der Lahn, fünf von der Eifel und sechs von der Nahe wurden ab 1904 vom Kölner Verlag Hoursch & Bechstedt als Postkartenserien und als aufklappbare Leporello-Alben sowohl farbig als auch in Kupfertiefdruck gedruckt. 1923 erschien ein Album „Bilder vom Rhein“ mit zahlreichen Reproduktionen seiner Gemälde, das mehrfach neu aufgelegt wurde. So wurde das umfangreiche Schaffenswerk Astudins hauptsächlich über den Rheintourismus publik.

Beerdigt wurde Nikolai von Astudin 1925 auf dem Friedhof Sebastianusstraße. Die Grabsteine von ihm und seiner Frau sind erhalten geblieben und stehen heute auf dem Friedhof Braubacher Straße nahe der Friedhofskapelle.

Die Stadt Lahnstein ehrt Astudin bereits zum fünften Male mit einer neuen Ausstellung, die vom 11. April bis 3. Mai 2026 im Nassau-Sporkenburger Hof zu sehen ist.