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UNESCO Welterbe
09. Februar 2024 Kategorie: Pressemitteilungen

Zum Gedenken an Egon Korn - ein Leben für Friedrichssegen

Lahnstein hat Geschichte, Folge 787

Egon Korn vor dem Bergbaumuseum, 2019

Egon Korn bei einer der Ausstellungen des Arbeitskreises Grube Friedrichssegen in der Hospitalkapelle, 2008 (Foto: Bernd Geil / Stadtverwaltung Lahnstein)

Vergangene Woche verstarb Egon Korn nach kurzer Krankheit im Alter von 84 Jahren. Als Betreuer des Bergbaumuseums Friedrichssegen, an dessen Entstehung und Erfolg er maßgeblich beteiligt war, bleibt er allen Besuchern in guter Erinnerung.

Geboren am 18. August 1939 in Friedrichssegen blieb er sein ganzes Leben seinem heimatlichen Stadtteil verbunden. Korns Familie zog schon bald nach seiner Geburt vom Tagschacht hinunter in die Neue Welt und schließlich nach Ahl. Hier ging er in die Volksschule, machte eine Lehre beim Tonwerk, heiratete 1966 seine Inge und gründete mit ihr eine Familie.

Eines seiner Hobbys war der Fußball. Er spielte mit Leib und Seele gerne – zunächst in Becheln, weil es in Friedrichssegen noch keinen Fußballverein gab. Im Mai 1957 wurde er Mitgründer des Sportvereins Schwarz-Weiß Friedrichssegen und spielte hier in der zweiten Mannschaft und später in der Traditionself. Außerdem trainierte er zeitweise Jugendmannschaften und half als Betreuer im Verein. Egon Korn war ein wandelndes Lexikon: 2004 hat er die Vereinsgeschichte mit vielen Fotografien, Dokumenten und Anekdoten als 220-seitenstarke „Fußball-Chronik“ herausgegeben. 

Sein anderes Hobby war die Ortsgeschichte. Er gehörte dem Arbeitskreis Grube Friedrichssegen an, der sich aus dem Männergesangverein entwickelt hatte. 1994 fanden sich fünfzehn Männer zusammen, um die fast vergessene Bergbaugeschichte ihres Heimatortes aufzuarbeiten und den Nachkommen sichtbar zu machen. Sie gründeten den Arbeitskreis „Grube Friedrichssegen“ und entwickelten sich zu wahren Bergbau-Enthusiasten.

Zusammen mit Hans-Günther Christ (1929-2009), dem Sprecher des Kreises, organisierte Korn über zehn Jahre viele Ausstellungen, die er immer beaufsichtigte. Als Ergebnis der Forschungen gab der Arbeitskreis eine rund 400-seitige Chronik des Bergbaudorfes Friedrichssegen heraus. Sie legten die Fundamente der Simultankirche frei und bauten sie in ihren Grundmauern wieder auf. Auch mehrere Stolleneingänge (Felixstollen, Heinrichstollen und Karlstollen) legten sie frei. Der Felixstollen wurde sogar auf 1.017 Meter begehbar gemacht. Vor dem Karlsstollen wurde ein Rastplatz errichtet, auf dem auch eine Lore („Hunt“) an den Verlauf der 2.500 Meter langen Trasse der Grubenbahn vom Bahnhof zum Tagschacht erinnert. Eine weitere Lore wurde auf Schienen nahe des Ortsteils „Olsborn“ aufgestellt.

Im ehemaligen Betriebsgebäude der Abwasserkläranlage (jetzt Pumpstation PW 8) errichtete der Arbeitskreis ein kleines Museum, in dem Friedrichssegen anno 1905 als Modell erstand. Alle 96 Gebäude, die ehemals von der „Neuen Welt“ bis zum Bergmannsfriedhof standen, sind nachgebildet. Die Grubenbahn fährt als Märklin-Lok durch das Friedrichssegener Tal. Das im August 2000 eröffnete Museum hat bis heute über 9.000 Besucher begeistert. Neben Fotografien aus der alten Grubenzeit sind auch 119 Sorten an Mineralien zu bewundern, die in Friedrichssegen bekannt sind, darunter die Pyromorphite, die selbst in amerikanischen Archiven mit dem Fundort „Friedrichssegen / Lahn“ beschriftet sind. Mit großer Leidenschaft zeigte Egon Korn allen Besuchern diese Mineralien unter dem Mikroskop. Seit dem Tod von Hans-Günther Christ im Jahr 2009 übernahm Korn alleine die Betreuung des Bergbaumuseums. Dank ihm stand das Museum allen Besuchern wöchentlich und auf Anfrage offen. Bis zuletzt bestückte er auch die Infotafel.

Beruflich arbeitete Egon Korn beim Tonwerk Friedrichsegen, nach dessen Schließung 1998 bei den Farbwerken.

Egon Korn schreib außerdem gerne Gedichte. Einige seiner Verse sind im Kreisheimatjahrbuch veröffentlicht. So auch eines über den Arbeitskreis „Grube Friedrichssegen“, das das Schaffen der Ehrenamtler beschreibt:

Eine Handvoll Männer machen sich bereit,

wieder zu beleben, die alte Zeit.

Dinge, die schon seit 100 Jahren,

vergraben, verschüttet, vergessen waren,

bringen sie wieder ans Tageslicht,

sie sehen es an als ihre Pflicht.

 

Am Anfang belächelt und als Spinner bedacht,

bis man gesehen, wieviel Arbeit das macht.

Mit viel Mühe und Hilfe die Säulen errichtet,

auf dem Bergmannsfriedhof die Gräber gelichtet.

Fundamente der Kirche freigelegt und im Stollen gemauert,

fast ein Jahr lang hat das Museum gedauert.

 

Ein Viadukt freigegraben und mit Schienen belegt,

eine Lore darauf, die hin und her sich bewegt.

Meint man, die Arbeit geht nur langsam voran,

denkt, man ist fertig, fängts neu wieder an.

Zu wünschen sind viele helfende Hände,

dann hat alle Arbeit ein schnelleres Ende.

 

Berichte der Zeitung und Filme im Fernsehen belegen,

sind eine sehr gute Werbung für Friedrichssegen.

Fragt man nach, für wen man die Arbeit sich macht,

es ist für die Enkel und deren Kinder gedacht.

 

2006 wurde Egon Korn mit der Ehrennadel der Stadt Lahnstein in Bronze geehrt. 2015 erhielt er für sein Engagement die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz. 24 Jahre hat er das Bergbaumuseum betreut. Er war das letzte Mitglied des einst so aktiven Arbeitskreises. Es bleibt zu hoffen, dass die Erinnerung an die Bergbautradition in Friedrichsegen von ähnlich Tatkräftigen im Sinne des Verstorbenen sichtbar erhalten bleibt.