10. September 2021 Kategorie: Pressemitteilungen

Vor 20 Jahren: Freilegung und Teilwiederaufbau der ehemaligen Simultankirche in Friedrichssegen

Lahnstein hat Geschichte, Folge 665

Simultankirche heute (Foto: Bernd Geil / Stadtverwaltung Lahnstein)

Altarraum der Simultankirche 1927 (Foto: Stadtarchiv Lahnstein)

Mit einem ökumenischen Gottesdienst wurde am 2. September 2001 die vom Arbeitskreis „Grube Friedrichssegen“ innerhalb der Grundmauern der alten Friedenskirche errichtete „Stätte zur Pflege heimatlichen Brauchtums“ der Bevölkerung übergeben. Unter Beteiligung des Posaunenchores der Christuskirche Niederlahnstein und des Männergesangvereins Eintracht Friedrichssegen wurde der ökumenische Gottesdienst vom katholischen Pfarrer Winfried Didinger und vom evangelischen Pfarrer Martin Stock gehalten. Dabei wurden auch die Lieder gesungen, die nachweislich schon bei der Einweihung der alten Friedenskirche am 14. Juli 1889 erklungen waren.

Hans-Günther Christ, der inzwischen verstorbene Leiter des Arbeitskreises, erläuterte die Geschichte der Kirche, die damals in neugotischem Stil im Ortsteil „Kölsch Loch“ errichtet wurde. Man hatte einen Bauplatz im Hang gewählt, wodurch das Bauwerk die Siedlung im Tal weithin sichtbar überragte. Das Besondere der Kirche war, dass sie von beiden Konfessionen gemeinsam benutzt wurde, daher auch der Name „Simultankirche“. Mit dem Rückgang der Erzausbeute und der Schließung der Grube 1913, begann die Entvölkerung der Ortsteile Tagschacht und Kölsch Loch. 1912 fand der letzte katholische und 1917 der letzte evangelische Gottesdienst in der Simultankirche statt. Von 1927 bis 1929 fand die Kirche nochmals Verwendung als Sommerschule, bis zur Eröffnung der neuen Volksschule. Die Renovierungskosten für die Kirche in Höhe von 29.000 Mark konnten nicht aufgebracht werden. Nachdem die Wehrmacht auf dem Tagschacht einen Pionier-Übungsplatz eingerichtet hatte, wurde die ungenutzte Kirche übungshalber gesprengt.

60 Jahre später fanden sich einige Menschen in Friedrichssegen, die dem gewaltigen Schuttberg von ca. 500 m³ zu Leibe rückten. Zum Vorschein kamen das etwa 12 mal 22 m große Fundament der Kirche und das kunstvoll gestaltete Fußbodenornament im Eingangsbereich mit einer erhaltenen Säule. Aus den Resten neugotischen Backsteinmauerwerks wurde die Kirche in ihren Grundmauern behutsam wiederaufgebaut, um den Ort wieder begehbar und erlebbar zu machen. Die Männer des Arbeitskreises Grube Friedrichssegen stammten weitgehend aus den Reihen des MGV Eintracht Friedrichssegen. Unterstützt wurden sie von ortsansässigen Firmen wie dem Bauunternehmen Lenz und der Schlosserei Blum. Auch die verschollene zweite Säule wurde ausfindig gemacht, hergeholt und aufgestellt. Auf den mächtigen Säulen ruht nun ein Gestell mit Glocke und Kreuz, erstellt von Dieter Blum. Die Glocke wurde von der katholischen Kirchengemeinde St. Martin überlassen und stammt aus der kath. Herz-Jesu-Kirche Friedrichssegen. Die Altarplatte stiftete Steinmetz Karl-Heinz Lembke. Ein Schaukasten informiert Besucher über die Geschichte des Bauwerks.

Die Erinnerungsstätte steht - wie einst die Simultankirche - allen Konfessionen offen. Eine Fotodokumentation vom „Wiederaufbau“ ist im Bergbaumuseum Grube Friedrichssegen einsehbar.