03. Mai 2021 Kategorie: Pressemitteilungen

Vor 40 Jahren zog das Jugendzentrum aus der „Baracke“ in die Wilhelmstraße – seit 30 Jahren generationenübergreifendes Jugendkulturzentrum

Lahnstein hat Geschichte, Folge 647

Die Baracke. (Foto: Stadtarchiv Lahnstein)

Das Gebäude vor Bezug im Jahr 1978.

Das JUKZ im Jahr 1994.

Das JUKZ heute (Fotos: Stadtverwaltung Lahnstein)

Im April 2021 besteht das Jukz seit 40 Jahren. Der Weg bis zur Eröffnung war lang und steinig. Im Jahre 1972 gründete Jugendpfarrer Linz mit dem „Einmal anders Club“ im alten Niederlahnsteiner Gemeindehaus eine erste Alternative gegenüber dem herkömmlichen Freizeitangebot für Jugendliche in Lahnstein. Organisierte und nicht organisierte Jugendliche schlossen sich zu einem Aktionskreis „Jugendarbeit“ zusammen, der sich für ein Haus der Jugend einsetzte.

In einer Demo am 26. Mai 1973 sowie in weiteren öffentlichen Auseinandersetzungen mit Politikern und der Verwaltung machten sie auf Missstände der Jugendarbeit aufmerksam. 1974 wurde ein Jugendverein gegründet, mit dem Ziel, kurzfristig ein Provisorium zu schaffen. Schließlich wurde die „Baracke“, ein ehemaliges Behelfsheim aus Holz nahe der Evangelischen Kirche, den Jugendlichen als Übergangslösung zur Verfügung gestellt. 

Im April 1975 wurde Deutschlands kleinstes Jugendzentrum eröffnet. Der Jugendverein übernahm die Verwaltung. Als Hauptamtliche standen zunächst zwei Zivildienstleistende für die offenen Jugendarbeit zur Verfügung. Es entstanden viele Arbeitsgemeinschaften, der Jugendtreff fing an zu laufen. Der Stadtjugendring erstellte eine Konzeption für das noch in der Ferne liegende Jugendzentrum. Forderungen nach einer professionellen Betreuung wurden immer lauter. Unter diesem Druck schuf der Stadtrat eine entsprechende Stelle: Michaela Schunk wurde im Februar 1977 Lahnsteins erste Sozialarbeiterin. 

Die Forderungen nach einem Ende des Provisoriums blieben unerfüllt. Rund 150 Jugendliche machten im Mai 1977 bei einer entsprechenden Veranstaltung im Mehrzweckraum der Lahnsteiner Stadthalle ihrem Ärger Luft – ohne Erfolg. Schunk kündigte, die Baracke blieb bestehen, doch drohte wegen des katastrophalen baulichen Zustandes ihr Abriss.

Während die Planstelle zunächst unbesetzt blieb, ging die Diskussion um die Form der Verwaltung des zukünftigen Jugendzentrums los. Ein „Verein zur Förderung von Jugendarbeit“ wurde gegründet. Diesem gelang durch die Schaffung einer ABM-Stelle binnen kürzester Zeit, die Sozialarbeiterin Annette Schmidt einzustellen. Die Stadt schrieb die Stelle eines Stadtjugendpflegers aus und stellte Wolfgang Kraus als hauptamtlichen Sozialarbeiter ein.

Ende 1979 kaufte die Stadt Lahnstein nach verschiedenartigen Überlegungen das Gebäude des katholischen Kindergartens in der Wilhelmstraße 59, um dort das Jugendzentrum einzurichten. Mit viel Eigenleistung der Jugendlichen und unter Mitwirkung des Stadtjugendrings wurden die Räumlichkeiten umgebaut. Schließlich konnte am Wochenende 24. / 25. April 1981 das neue Jugendzentrum (JUZ) eröffnet werden. Das JUZ war zunächst ein teilweise selbstverwaltetes Jugendzentrum mit einem von der Vollversammlung gewählten Verwaltungsrat, der das Programm des JUZ eigenverantwortlich gestaltete.Es wurde kultureller Fixpunkt in Lahnstein mit Konzerten, Filmen, themenorientierten Veranstaltungen und Comedy, jugendspezifischen Veranstaltungen wie Skat- und Schachturnieren, Discos und Fußballturnieren. Zum Beispiel gewann die Fußball-AG 1992 die Deutsche Meisterschaft der Jugendzentren. 

Nach zehn Jahren hatte sich in der Gesellschaft und damit auch unter den Jugendlichen vieles geändert, sodass das JUZ sein Konzept änderte und 1991 in ein Jugendkulturzentrum (JUKZ) umgewandelt wurde. Es bietet seither ein generationenübergreifendes Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Basierend auf den vier Säulen „Begegnung – Beratung – Bildung – Kultur“ sind die Angebote dementsprechend übergreifend auf alle Altersgruppen ausgerichtet.

So fanden bis zur pandemiebedingten Schließung zahlreiche Workshops für Kinder und Jugendliche, Freizeiten für Kinder, der Jugendtreff, das Repair-Café, der Internettreff für Senioren, das interkulturelle Frauencafé sowie die interkulturelle Männerrunde regelmäßig statt. Lesenächte für Kinder und Erwachsene waren ebenso ausgebucht wie die meisten anderen Veranstaltungen mit verschiedenen Partnern. So entwickelte sich die Veranstaltungsreihe „Stormy Monday“ in Kooperation mit der Lahnsteiner Musikszene e.V. zu einem außerordentlichen Erfolg. Darüber hinaus werden regelmäßig Konzerte mit Künstlern aus der Region in den Bereichen Rock, Pop, Jazz und Blues angeboten. Letztlich ist auch das Zores-Team mit seinen alternativen Karnevalssitzungen aus dem Haus nicht mehr wegzudenken. 

Die Arbeit des JUKZ wird seit 1996 von einem Förderverein materiell und ideell unterstützt. Als Gründungsmitglied und nach jahrelanger überaus erfolgreicher Leitung des Hauses ging Walter Nouvortne im Februar 2021 in den wohlverdienten Ruhestand und gab das Zepter weiter an seine KollegInnen Nasstaran Houshmand und Thomas Seggel, die seit diesem Jahr gemeinsam das JUKZ leiten. 

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