14. September 2018 Kategorie: Pressemitteilungen

Stadtarchiv Lahnstein bereitet Ausstellung zum Ersten Weltkrieg vor

Dokumente, Fotos und Erinnerungsstücke gesucht

Album mit den Portraits gefallener Soldaten aus Lahnstein; Englische Karrikatur "1914-1918" (Fotos: Slg. Stadtarchiv Lahnstein)

Lahnstein. Der Erste Weltkrieg (1914-1918) war der Beginn einer langen Leidenszeit für alle Lahnsteiner mit Einschränkungen und Entbehrungen über Jahre hinweg. Feierten sie 1913 noch überschwänglich in Konzert-, Theater- und Tanzveranstaltungen den 100. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig und zeigten ihr Nationalgefühl nicht nur bei der alljährlichen Geburtstagsfeier für den Kaiser, schürten sie bereits in den Schulen durch Kriegsspiele eine allgemeine Kriegsbegeisterung.
Von der Kriegsbegeisterung in der Kaiserzeit bis zu Ernüchterung, Tod und Entbehrung dauerte es keine vier Jahre. Weltweit forderte der Erste Weltkrieg rund 10 Millionen Menschenleben. Auch 14 Friedrichssegener, 128 Niederlahnsteiner und 240 Oberlahnsteiner Soldaten „fielen für das Vaterland“. Zählt man die Vermissten hinzu, starben rund 400 Lahnsteiner auf den Schlachtplätzen im Osten und Westen.
In Lahnstein selbst machte sich der Krieg durch die zahlreichen Kriegslazarette bemerkbar, in die die Verwundeten von der Front gebracht wurden. Das Militär wurde sowohl in öffentlichen Gebäuden als auch in Privatquartieren untergebracht.
Die Lasten des Krieges spürten die Lahnsteiner nicht nur durch das Fehlen ihrer Männer und Söhne, denen sie fleißig Feldpostsendungen sandten, durch Unterrichtsausfall wegen dem Ausbau der Volksschulen zu Kasernen, sondern auch durch eine staatliche Zwangswirtschaft. Wie später im Zweiten Weltkrieg gab es auch während und nach dem Ersten Weltkrieg Lebensmittelkarten und Bezugsscheine für Brot, Fleisch, Kartoffeln und Kohlen. Trotz aller Verbote war es auch die Zeit des Hamsterns und des Schwarzen Marktes. Die Bevölkerung wurde aufgefordert Goldgeld (5, 10 und 20 Mark-Stücke) in Papiergeld einzuwechseln, Kartoffeln und Rüben anzubauen, Selbstgestricktes und Wollreste sowie ihre Altmetalle bei den Sammelstellen abzugeben. Auch die meisten Kirchenglocken wurden zum Einschmelzen abgehangen und abtransportiert. Das Kleingeld aus Kupfer und Nickel wurde eingezogen und durch Zinkmünzen ersetzt. Die Oberlahnsteiner Volksbank gab Ersatzkleingeld heraus, die Stadt Niederlahnstein ließ 25 und 50-Pfennigscheine drucken. In den Fabriken, die zu Versorgungs- und Rüstungsbetrieben erklärt worden waren, wurden in wachsender Zahl Frauen eingesetzt. Auch kriegsgefangene Franzosen, Russen und Engländer mussten die fehlenden Arbeitskräfte ersetzen.

Nach den Waffenstillstandsverhandlungen begann der Rückzug der Truppen. Der Rückzug mit den schweren Wagen, Lastautos und Geschützen verursachte auch in Lahnstein enorme Schäden. Bürgerwehren wurden zur Aufrechterhaltung der äußeren Ordnung eingesetzt, die die Bevölkerung zur Besonnenheit den fremdländischen Soldaten gegenüber ermahnen sollten. Für die Einquartierung der französischen Besatzung in der Kaiser- Wilhelm-Schule, in Hotels und Gasthöfen wurden Betten von der Zivilbevölkerung requiriert.

Dem Ersten Weltkrieg widmet das Stadtarchiv eine umfangreiche Ausstellung, die vom 8. bis 25. November 2018 in der Hospitalkapelle St. Jakobus zu sehen sein wird. Die Ausstellung entstand vor vier Jahren und wird jetzt anlässlich des 100. Jahrestags des Kriegsendes wiederholt. Damals hatten zahlreiche Mitbürger Feldpostbriefe, Totenzettel, Fotografien der Soldaten, Ansichtskarten, Bezugsscheine, Kriegsanleihen, Notgeld, Quittungen für abgegebenes Altmetall und andere Erinnerungsstücke beigesteuert. In den Archivalien des Stadtarchivs sind z.B. Plakate von der Mobilmachung, Einquartierungslisten und ein Verzeichnis über abgeliefertes Altmetall vorhanden. Auch die Tageszeitungen und Schulchroniken jener schicksalsreichen Jahre wurden ausgewertet.

Wer weiteres Material als Leihgabe oder Stiftung beisteuern möchte, möge sich im Stadtarchiv melden (Tel. 02621/914-296) oder per Email an archiv@lahnstein.de. Die Sachen können im Stadtarchiv Lahnstein, Kaiserplatz 1, abgegeben oder eingescannt werden.