Geschichte der Stadthalle

Funktionales Gesamtkunstwerk – lebendiges Denkmal

Die Lahnsteiner Stadthalle wurde als ein modernes Tagungs-, Kongress- und Veranstaltungszentrum in Stahlbetonbauweise errichtet. Entworfen wurde sie durch die Architekten Dr. Jürgen Jüchser und Peter Ressel vom Planungsring Wiesbaden, die zuvor einen von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hatten. Mit Zustimmung der Stadt Lahnstein zogen sie den international renommierten Stuttgarter Künstler Prof. Otto Herbert Hajek (1928-2005) hinzu. Dieser gestaltete die Ornamentfassade aus farbigem Sichtbeton. Die gleiche Farbigkeit und Ornamentik setzt sich auch im Innern in der Wand-, Boden- und Deckengestaltung fort und macht die Halle zu einem in sich stimmigen Gesamtkunstwerk. So nimmt der Teppich im gesamten Foyer und in den Konferenzräumen die Fassade in Form und Farbe wieder auf. Von Prof. Hajek entworfen wurde auch der „Lahnstein“ in der Eingangshalle, ein zwei Meter hoher dreieckiger Obelisk aus grauem Lahnmarmor.

Der Große Saal mit Bühne und Tonstudio fasst insgesamt mehr als 1000 Personen. Durch den Einbau einer Treppe vom Saal auf die Empore (2009), inzwischen aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben, hat sich die Zahl der Sitzplätze geringfügig reduziert. Inbegriffen ist der Kleine Saal, der durch Faltwand abgetrennt werden kann. Weiter stehen drei Konferenzräume zur Verfügung, benannt nach den Partnerstädten Kettering, Vence und Hermsdorf.

Ferner verfügt die Stadthalle über ein repräsentatives sich über zwei Geschossebenen erstreckendes Foyer, mit Garderobe und Bistro im Erdgeschoss sowie zugehörigem Saal im Obergeschoss. Im Kellergeschoss befindet sich u.a. ein Mehrzweckraum. Hinter der Bühne befinden sich zwei Künstlergarderoben. Zum Salhofplatz führt ein Balkon, der mit dem Wehrgang der mittelalterlichen Stadtmauer verbunden ist. Im Erdgeschoss befinden sich die Schalterhalle und Büros der Volksbank. In der Stadthallenpassage, wo bis vor kurzem die Touristinformation ihren Sitz hatte, befindet sich nun die Stadthallenverwaltung mit Ticket-Service.

Eröffnet wurde die Stadthalle am 24. Mai 1973 mit einer Kunstausstellung und einer öffentlichen Hörfunkveranstaltung des Südwestfunks mit dem Rundfunkorchester unter der Leitung von Emerich Smola und den Stargästen Margit Schramm und Werner Hollweg. Es folgte eine Festwoche mit Partnerschaftsabend, Kinderfest, Modenschau und Bierfest. Staatssekretär Willibald Hilf lobte als Festredner, dass sich die Stadt mit dem Bau ein „Wahrzeichen für die Zukunft gesetzt“ habe.

Bereits während der dreijährigen  Bauphase bot die Stadthalle sowohl wegen ihrer bunten, eigenwilligen Außenfassade als auch wegen der achtbaren Herstellungskosten für viele Diskussionen, sowohl im Stadtrat als auch bei den Bürgern selbst. Bei der Grundsteinlegung im Juni 1971 beliefen sich die Gesamtkosten für die Stadt auf 6,5 Millionen Mark. Im Oktober 1971 folgte nach lebhaft geführter Aussprache der Beschluss des Stadtrats über die künstliche Außengestaltung der Stadthalle. Prof. Hajek war in seinem Entwurf davon ausgegangen, dass man „auf die Struktur der gegenüberliegenden Stadtbefestigung mit Farbe antworten müsse.“ Sein Vorschlag, die Anbringung versetzter Sichtkörper aus Beton, deren Vertiefungen mit einem bunten Kunststoffanstrich zu fassen, wurde mehrheitlich angenommen.

Bis zum Richtfest im Dezember 1971 waren ca. 10.000 m³ Erde ausgehoben, 4.000 m³ Fertigbeton und 580 t Stahl eingebaut. Der gesamte umbaute Raum beträgt 32.000m³, davon ein Viertel der Anteil der Volksbank. Die vom Stadtrat gewählte Synthese zwischen Stadthalle und Bankgebäude sollte abgesehen von Einsparungen bei den Baukosten eine Belebung dergestalt bewirken, dass das Bankgebäude einen ständigen Betrieb tagsüber und die Stadthalle mit einer Vielzahl von Veranstaltungsmöglichkeiten den Salhofplatz zur Abend- und Nachtzeit belebt.

Im Wettbewerb „Kunst am Bau“ des Landes Rheinland-Pfalz 1975 errang die Stadthalle Lahnstein für die Synthese aus architektonischen, städtebaulichen und künstlerischen Komponenten eine Anerkennung. Bei dem Wettbewerb zeichnete die Landesregierung eine „enge schöpferische Zusammenarbeit zwischen Architekten/ Entwurfsverfassern und bildenden Künstlern aus. Dabei ging es um Bauten, die zwischen 1960 und 1975 auf rheinland-pfälzischem Staatsgebiet  errichtet wurden.

2007 wurde die Stadthalle mitsamt ihrem farbenfrohen Teppich von der Generaldirektion Kulturelles Erbe als erhaltenswertes Kulturdenkmal der 1970er Jahre eingestuft, „da sie „bis auf wenige Aspekte weitgehend unverändert erhalten (...)“ ist, „stellt sie in Rheinland-Pfalz ein seltenes Zeugnis für die Architektur der 1970er Jahre dar und wird daher als Kulturdenkmal eingestuft“. Der grelle und bunte Teppich hat einen enormen Wiedererkennungswert, der nach Hajeks Entwürfen gewebt wurde. Das einstige Prunkstück hatte allerdings durch die Veranstaltungen der letzten Jahrzehnte arg gelitten, war durch Tausende von Brandlöchern und Flecken verunstaltet, und wurde daher 2010 von der einstigen Herstellerfirma im alten geometrischen Muster und gleicher Farbe neu gewebt und im September 2010 verlegt. Die Verlegung des neuen Teppichs ging einher mit neuer Deckengestaltung des Foyers sowie weiteren  Modernisierungsmaßnahmen, wozu auch die Errichtung einer Photovoltaikanlage auf dem Dach der Stadthalle zählt.

Ihr Kontakt

Stadthallenverwaltung Lahnstein

Stadthallenpassage
56112 Lahnstein

Walter Nouvortne

Stadthallen- und Eventmanager

w.nouvortne(at)lahnstein.de

+49 (0)2621 914 -170


Eva Dreiser

Hallenverwaltung, Ticket-Service

e.dreiser(at)lahnstein.de

+49 (0)2621 914 -169


Udo Kratz / Holger Scheeben

Hausmanager

stadthalle(at)lahnstein.de

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Foyer der Stadthalle mit Obelisk 2012

Die Stadthalle bei ihrer Eröffnung 1973