28. Juli 2017 Kategorie: Pressemitteilungen

Vor 175 Jahren starb Clemens Brentano

Schriftsteller hatte eine Geliebte in Friedrichssegen

Ahlerhof Friedrichssegen um 1920. (Foto: Slg. Stadtarchiv Lahnstein)

Lahnstein. In Friedrichssegen wurde 1984 ein kleines halbzerfallenes Barockschlösschen im Gelände des ehemaligen Ahler Hüttenwerks abgerissen. Das im 18. Jahrhundert erbaute Wohnhaus wurde im Volksmund „Brentanohaus“ genannt. Es gehörte einst dem Hüttenherrn Jakob Kraus, in dessen Tochter sich der bekannte Dichter und Schriftsteller Clemens Brentano verliebt hatte und daher im Sommer 1802 oft zu Gast war. Die Tochter des Hüttenherrn hieß Johanna Christiane (genannt Hannchen) Kraus und war damals 19, Clemens Brentano 23 Jahre alt.

Geboren wurde Clemens Brentano am 9.9.1778 in Ehrenbreitstein als Sohn eines Frankfurter Kaufmanns und der von Goethe verehrten Maximiliane von La Roche. Sein Großvater war Kanzler unter dem Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus, welcher zugleich sein Taufpate war. Oft kehrte Clemens zurück nach Ehrenbreitstein, wo er nur einen Teil seiner Kindheit verbracht hatte, so auch im Sommer 1802 für mehrere Wochen und suchte hier den Umgang mit hübschen Mädchen. Von dem 19-jährigen Mädchen auf Ahl schien er hin- und hergerissen, wie er in seinen Briefen bekennt. Begeistert sieht er in ihr „ein Muster der Einfachheit, der Güte und Herzensreinheit“. Die beiden treffen sich öfter. Mitunter sitzt der Geliebte allein am Ufer der Lahn und schaut sehnsüchtig nach Hannchens Haus herüber. Er schreibt ihr mehr als ein Dutzend Briefe, die ihr die gemeinsame Bekannte Brigitte Korbach überbringt, und fügt Gedichte hinzu, um ihr seine Gedanken und Gefühle besser auszudrücken.

Seine Anstrengungen und angekündigten Heiratsabsichten sind vergebens. Hannchen zieht sich vor Brentano zurück, nachdem sie sicherlich für kurze Zeit von seinem sprudelnden Geist und überschäumenden Temperament  begeistert war. Im Oktober 1802 erhält er von ihr den Abschiedsbrief. „Es hat mir sehr weh getan“, schreibt er. Warum sie ablehnte, ist nicht bekannt. Vielleicht war ihr seine Welt zu phantasiegeladen und fremd, sie erkannte seine Wankelmütigkeit oder ahnte seine vielen Liebschaften. Vielleicht aber hatte ihr Vater bereits Heiratspläne für sie geschmiedet. Vier Jahre später heiratete sie den Frankfurter Kaufmann Alexander Goullet, der auf der Zeil eine Tuchhandlung besaß und in Rödelheim einen prächtigen Sommersitz, wo sie später oft Gäste empfingen. Die Ehe blieb kinderlos - Johanna Christiane Goullet geborene Kraus starb 1860 in Heidelberg.

Clemens Brentano fand auch später nicht das Glück an der Seite einer Frau, das er 1802 in Ahl so leidenschaftlich gesucht hatte. Im November 1803 heiratete er die geschiedene Frau eines Professors, in die er sich als Student in Jena verliebt hatte. Sie starb im Kindbett. Seine zweite, 1808 geschlossene Ehe wurde nach kurzer Zeit geschieden. Seither lebte er allein und oft den Wohnsitz wechselnd bis zu seinem Tod am 28.7.1842, also vor genau 175 Jahren, in Aschaffenburg. Durch seine schriftstellerischen Werke machte er sich selbst unsterblich, gilt er doch als großer deutscher Romantiker.