24. Juli 2017 Kategorie: Pressemitteilungen

Vor 175 Jahren wurde Leo Tepe geboren

Niederländischer Journalist und Schriftsteller lebte in Lahnstein

Totenzettel von Leo Tepe (Foto: Sammlung Hans Krol, Haarlem)

Lahnstein. Der Journalist und Dichter Leo Robert Wilrech Wilhelm August Maria Tepe wurde am 24. Juli 1842 als Sohn deutschstämmiger Eltern in Heemstede, einem Orts-teil von Haarlem in den Niederlanden, geboren. Als Schriftsteller nannte er sich nach seinem Geburtsort „Leo van Heemstede“.
Der Besuch des Jesuitengymnasiums in Katwijk sollte prägenden Einfluss auf sein Leben haben. Mit 17 Jahren siedelte er nach Deutschland über und absolvierte die berühmte „Noelle‘sche Handelsschule“ in Osnabrück. Danach machte er eine Lehre als Buchhändler in Berlin, während der er sich sehr intensiv mit Literatur beschäftigte. Nach einem kurzen Intermezzo in Leipzig wurde er – mit nur 23 Jahren – Kompagnon des Buchhändlers Jacobi in Aachen.
1867 übernahm er die Herausgabe der illustrierten Monatszeitschrift „Die Katholische Welt“. Bereits drei Jahre später ging er zurück in die Heimat, wo er von Utrecht aus als Auslandskorrespondent für mehrere niederländische Zeitungen tätig wurde und auch häufig für die „Deutsche Allgemeine Rundschau“ schrieb. Daneben übersetzte er hol-ländische Werke ins Deutsche, vor allem die der von ihm sehr geschätzten „Melati von Java“ und gab ab 1875 die katholische Zeitschrift „Sionsharfe: Monatsblätter für katholische Poesie“ heraus. 1884 erschien sein großangelegtes biblisches Drama „Mathusala“.
Nach dem Ende des preußischen Kulturkampfs sah Tepe seine Chance, die katholisch orientierte literarische Welt Deutschlands zu fördern. 1886 zog er mit seiner Frau ins überwiegend katholische Oberlahnstein. Hier lebte er als Korrespondent für das „Nederlandse katholieke dagbladen“ in der Lahneckstraße 3 (heute Nr. 9) und verfasste u. a. die historischen Dramen „Arnold von Brescia“ (1889), „Boleslaus“ (1895), „Simon von Montfort“ (1907), „Catharina von Siena“ (1908), „Lepanto“ (1911), „Nimrod“ (1913) sowie „Höhenluft“, einen Band religiöser Gedichte (1902).
Bei den „Kölner Blumenspielen“ wurden zwei seiner Gedichte preisgekrönt. 1900 erhielt er die „goldene Rose“ für sein 27-strophiges Gedicht „Dein bin ich, Herr“; 1901 eine lobende Erwähnung für sein Gedicht „In Gottes Hand“ und den außerordentlichen Preis „Silberne Lilie“ für seine Ballade „Die Verbannten“.
1917 zog er wegen der kritischen Lage Deutschlands wieder nach Holland. Nach dem 1. Weltkrieg wurde Tepe (zusammen mit einigen Deutschen) 1919 aus der Liste der Ehrenmitglieder der belgischen „Königlichen Flämischen Akademie für Sprach- und Literaturwissenschaft“ getilgt. Dieser Rauswurf traf den 77-Jährigen tief, da er zwar auf Deutsch schrieb, aber Zeit seines Lebens Niederländer geblieben war.
Seine letzten neun Lebensjahre verbrachte er in Overveen, einem Ortsteil von Haarlem, wo er nach zweijährigem Leiden am 19. Februar 1928 im „Krankenhaus der Barmherzigen Brüder“ starb. Leo Tepe wurde am 23. Februar 1928 in Haarlem begraben. Er hinterließ seine Witwe Pauline Jeanette Tepe-Habets und fünf Töchter. Die älteste von ihnen, Friederike Henriette Maria (geb. 1871 in Aachen) heiratete 1893 Andreas Rudolf Böhm (1914 gefallen in Belgien), den Sohn von Georg Blasius Peter Ignatz Böhm (Weinkeller Böhm in der Südallee). Sie bewohnte bis zu ihrem Tod 1961 das Haus in der Lahneckstraße.
Wenn auch in den verschiedenen Ausgaben der Stadtgeschichte erwähnt und auf der Homepage des Lahnsteiner Altertumsvereins ausführlich porträtiert, ist Leo Tepe heute ein Unbekannter in Lahnstein. Ein ausführliches Porträt (Verfasser Hans G. Kuhn) erschien auch im letzten Heimatjahrbuch des Rhein-Lahn-Kreises.