27. Oktober 2017 Kategorie: Pressemitteilungen

Vor 100 Jahren gab die Volksbank Oberlahnstein eigenes Geld heraus

Behebung des Kleingeldmangels im Ersten Weltkrieg

(Foto: Slg. Stadtarchiv Lahnstein).

Lahnstein. Während des Ersten Weltkriegs begann im Deutschen Reich eine Münzknappheit, weil viele Bürger das Kleingeld aus einer Kupfer-Nickellegierung bzw. in den höheren Werten aus Silber horteten, um nach Kriegsende damit einen Gewinn zu machen. Seit 1916 wurde das Münzgeld daher aus weniger kostbarem Metall herausgegeben wie Zink, Aluminium und Eisen. Viele Städte und Gemeinden traten dem Mangel an Kleingeld durch die Edition von Notgeld entgegen. Während Niederlahnstein Gutscheine im Wert von 25- und 50-Pfennig aus Papier drucken ließ, plante der Magistrat von Oberlahnstein die Ausgabe von städtischen Notgeldmünzen in den Nominalwerten 5-, 10- und 50-Pfennig, „falls die hiesigen Gewebetreibenden solches gegen Erstattung der Selbstkosten übernehmen“. Zur Feststellung der ungefähr benötigten Menge rief er in einer Zeitungsannonce am 11. Mai 1917 auf, sich zu melden, “ob und welche Beträge die einzelnen hiesigen Gewerbetreibenden annehmen wollen.“ Dieser Beschluss wurde aber so nicht ausgeführt; stattdessen gab die Volksbank solche Ersatzmünzen ab Juni heraus.

Am 14. Juni 1917 berichtete das Lahnsteiner Tageblatt, dass von der Volksbank Oberlahnstein Ersatzgeld für Oberlahnstein beschafft wurde, das „ab heute zur Ausgabe gelangt: Dasselbe kann bei der Bank kostenlos gegen Umtausch von Reichsmünzen eingetauscht werden und wird später ebenfalls kostenlos von derselben wieder zurückgenommen. Die Stadtkasse ist berechtigt, dieses Ersatzgeld in Zahlung zu nehmen.“
Bei dem Notgeld handelte es sich um 5-, 10- und 50-Pfennig Stücke aus Eisenblech, die nur einseitig geprägt waren.

Spätestens durch die Inflation 1923 wurde das Geld als Zahlungsmittel wertlos. Es hat seither nur noch Sammlerwert. Über Auktionsplattformen im Internet finden sich heute Angebote im zweistelligen Eurobereich, also ein satter Kursgewinn.