16. Januar 2018 Kategorie: Pressemitteilungen

Wallfahrtsziel Allerheiligenberg sollte Ende des 19. Jahrhunderts belebt werden

Relief des ersten Stationenweges wurde nun wieder aufgestellt

Die Fotos zeigen das nun im dritten Kapellchen aufgestellte Relief, das 1875 die Sebastianusbruderschaft ursprünglich für die 13. Station gespendet hatte. (Fotos: Bernd Geil/Stadtarchiv Lahnstein)

Lahnstein. Als die Oplatenpatres vor einigen Jahren ihr Allerheiligenbergkloster in Niederlahnstein verließen, machte man einen interessanten Fund: Ein etwa 90x60 cm großes, koloriertes Relief tauchte auf, das Maria und die Apostel beim biblisch bezeugten Pfingstereignis zeigt. Es ist im Stil des 19. Jahrhunderts gehalten und stammt aus einer der damals sehr verbreiteten Serienanfertigungen von Heiligenfiguren und Devotionalien aller Art.

Das Bild wurde jetzt auf Betreiben der Kolpingfamilie St. Barbara in der dritten Rosenkranzkapelle aufgestellt. Diese steht dort, wo die Allerheiligenbergstraße nach steilem Anstieg scharf nach rechts abbiegt.
Damit befindet sich die historische Plastik (Bildhauerkunst) an einem Ort, zu dem sie passt. Sie ist nämlich eines der Bilder, die 1875 zum Schmuck der neuen 15 Kapellen des Rosenkranz-Stationenweges angebracht wurden. Diese Darstellungen wurden 1935 durch die heute noch vorhandenen Gemälde im Beuroner Stil ersetzt. Sie gingen bis auf das jetzt wieder sichtbare Werk verloren.

Das wiedergefundene Andachtsbild regt dazu an, einen Blick auf die Bemühungen der Niederlahnstein Katholiken um den Allerheiligenberg während der letzten 150 Jahre zu werfen. Es ist dabei zunächst die Errichtung des aufwändigen Kapellenwegs unter der Regie des damaligen Pfarrers Joseph Wolf (seit 1853 in Niederlahnstein, dort gestorben 1886) zu erwähnen. Das große Werk war nur dank der großen Opferbereitschaft der Gläubigen ausführbar. Diese Gebefreudigkeit war vermutlich nur vorhanden wegen der sehr weit verbreiteten Neigung unter den damaligen Katholiken, alte Formen volkstümlicher Frömmigkeit wie Prozessionen und Wallfahrten neu zu beleben und beispielsweise Wegkreuze, Bildstöcke und Kapellen neu zu errichten.

Beeindruckt von den imposanten Arenberger Anlagen seines Freundes Pfarrer Kraus, plante der Niederlahnsteiner Pfarrer weiter über den Stationenweg hinaus: Er wollte den Allerheiligenberg, ein uraltes Wallfahrtsziel, zu neuem Leben erwecken. Dort befanden sich zu seiner Zeit nur ein kleiner Bauernhof auf pfarreigenem Grund und ein verfallendes Kapellchen aus dem 17. Jahrhundert. Wolf und seine Nachfolger trieben das Projekt eifrig voran. Eine Lourdesgrotte, eine Darstellung des Grabes Christi und eine Kreuzigungsgruppe wurden geschaffen. Als Krönung der gesamten Anlage wurde 1901 die neue Allerheiligenkapelle eingeweiht. 1919 errichteten Hünfelder Oblatenpatres ein Kloster auf einer von der Kirchengemeinde erworbenen Parzelle nahe bei dem imposanten Gotteshaus. Dieses blieb Pfarreigentum.

Zu einem Ansturm von Pilgern wie in alten Zeiten kam es allerdings nie mehr. Aber bis heute besuchen Wandersleute und andere interessierte Menschen den Berg, die den herrlichen Ausblick auf das Rhein-Lahn-Eck genießen, einen Ort für Besinnung und Gebet nutzen oder dort Hochzeit feiern wollen. Gelegentlich gibt es auch Gottesdienste der einheimischen Katholiken.

Zu beständigeren Beziehungen zwischen den Lahnsteinern und dem Allerheiligenberg kam es, als sich nach dem Zweiten Weltkrieg viele von ihnen bei der Kapelle ansiedelten. Diese Verbindungen bestehen auch nach dem Abzug der Patres und der Privatisierung ihres Grundstücks weiter. Frauen und Männer aus der Allerheiligenbergsiedlung und ihre Nachbarn unterstützen die Pfarrei, wenn Gottesdienste angeboten werden. Darüber hinaus hilft der Förderkreis Allerheiligenberg der Kirchengemeinde durch praktische und finanzielle Unterstützung, die Kapelle und deren Umgebung in guten Zustand zu erhalten.