29. Dezember 2016 Kategorie: Pressemitteilungen

Vor 175 Jahren wäre beinahe ein Pfarrer von Oberlahnstein Bischof von Limburg geworden


(Foto: Stadtarchiv Lahnstein)

Lahnstein. Am 9. Juli 1840 wurde Dekan Jakob Mohr, Pfarrer von St. Martin in Oberlahnstein, zum Nachfolger des verstorbenen Limburger Bischofs Bausch gewählt. Zuvor hatte Herzog Adolf von Nassau von den neun auf der Liste stehenden Kandidaten alle bis auf zwei gestrichen. So standen nur Jakob Mohr, Dekan von Oberlahnstein, und Peter Joseph Blum, Pfarrer von Oberbrechen, zur Auswahl. Dies war jedoch kirchlich unzulässig. Der Herzog hatte zwar das Recht, minder genehme Kandidaten von der Liste zu streichen, jedoch lag das Minimum für eine kanonische Wahl bei drei.

Bereits vor der Wahl durch das Domkapitel war bekannt geworden, dass Blum im Falle seiner Wahl verzichten wolle, weil er sich diesem Amt nicht gewachsen fühle, während Mohr sich von Anfang an bereit erklärte, die Wahl anzunehmen. Doch auch eine vorherige Befragung war kirchenrechtlich unzulässig und machte die Wahl zusätzlich ungültig. Auch wenn die Befragung nur in inoffizieller Weise stattfand, wurde sie in die offiziellen Wahlunterlagen mitaufgenommen, die nach Rom entsandt wurden. Daher hatte man in Rom nun eine rechtliche Handhabe, die Wahl zu annullieren. Die Entscheidung erfolgte erst nach über einem Jahr. Mit Schreiben vom 17. September 1841 wurde Dekan Mohr für nicht wählbar und die Wahl für ungültig erklärt. In einer neu angesetzten Wahl wählte das Domkapitel nun Peter Joseph Blum zum Bischof. Er wurde im Januar 1842 in sein Amt eingeführt.

Jakob Mohr, der 1796 als sechstes von sieben Kindern in Flörsheim am Main geboren wurde, war seit 1836 Pfarrer von St. Martin. Er blieb noch viele Jahre in Oberlahnstein und konnte im Jahr 1870 sein goldenes Priesterjubiläum hier feiern. Am 1. Oktober 1871 wurde er mit einem Gottesdienst und anschließendem Festessen in den Ruhestand verabschiedet. In seine Amtszeit fallen unter anderem die Zustimmung zur Niederlassung der Dernbacher Schwestern 1858 (Aufbau eines Krankenhauses), zur Gründung des Rosenkranzvereins Oberlahnstein 1864, der bis nach dem Zweiten Weltkrieg bestand, und zur Gründung des Gesellenvereins Oberlahnstein 1865 (heutige Kolpingfamilie).

Jakob Mohr, der auch den Ehrentitel Geistlicher Rat trug, starb am 10. Februar 1877 in Oberlahnstein im Alter von 80 Jahren.