26. Oktober 2016 Kategorie: Pressemitteilungen

Vor 50 Jahren starb der Arzt und Wissenschaftler Dr. Dr. h.c. Fritz Michel


Lahnstein. Fritz Michel wurde als ältester Sohn des Landarztes Dr. Theodor Michel und seiner Frau Louise, geb. Schild, am 17. September 1877 in der Wohnung in der Niederlahnsteiner Bahnhofstraße geboren und erhielt die Taufnamen „Friedrich Wilhelm Ferdinand“.

Er besuchte die Volksschule Niederlahnstein und anschließend das Realprogymnasium in Oberlahnstein. Der Rektor des Gymnasiums Dr. Simon Widmann weckte bereits früh das historische Interesse in ihm. Widmann veranlasste auch, dass Fritz Michel in den Sommerferien auf dem Speicher des Rathauses Niederlahnstein die dort vorhandenen Urkunden, Schöffen- und Ratsprotokolle ordnete. In den Herbstferien wirkte er bei den Ausgrabungen des Limes im Westerwald mit. Nach seinem Studium in Tübingen, Kiel und Marburg ließ er sich 1905 – frisch verheiratet mit einer Arzttochter aus Bad Ems - als Frauenarzt in Koblenz nieder. 42 Jahre wirkte er als Chirurg und Gynäkologe am Evangelischen Stift St. Martin in Koblenz, seit 1927 als Chefarzt. Dr. Michel verhalf vielen Menschen auf die Welt, unter anderem dem späteren französischen Staatspräsidenten Giscard d`Estaing. Als er 1947 mit 70 Jahren aus dem Krankenhausdienst ausschied, führte er noch einige Jahre seine Praxis im Koblenzer Markenbildchenweg fort.

Neben seinem Beruf erwarb er sich als Kulturhistoriker und Geschichtsforscher große Verdienste. Er engagierte sich im Lahnsteiner Altertumsverein, hielt Vorträge und leitete Führungen. 1895 erschien seine erste Schrift über den Allerheiligenberg, drei Jahre später über die Märkerschaft Niederlahnstein. Sein wissenschaftliches Wirken umfasste die gesamte Region. So war er über Jahrzehnte Vorsitzender des Koblenzer Museumsvereins bzw. des Vereins für Geschichte und Kunst des Mittelrheins. 1941 wurde er von der Bonner Universität mit der Ehrendoktorwürde gewürdigt.

Seine größten Verdienste für Lahnstein sind die Herausgaben der Stadtgeschichten von Oberlahnstein 1925 (2. Aufl. 1960) und Niederlahnstein 1954, die noch heute von der Wissenschaft hoch anerkannt sind. Als „sichtbaren Ausdruck tiefempfundener Dankbarkeit und Anerkennung“ verliehen ihm 1954 die Stadt Niederlahnstein und 1961 die Stadt Oberlahnstein das Ehrenbürgerrecht. Er ist damit der einzige Ehrenbürger von beiden Städten, die 1969 zur Stadt Lahnstein zusammengeschlossen wurden, wenn man das Dritte Reich außer Acht lässt.

Auch seinem Vater, dem geheimen Sanitätsrat Dr. Theodor Michel, wurde bereits 1927 diese Ehre zuteil. Dr. Theodor Michel wirkte 50 Jahre als Arzt in Niederlahnstein und war über 30 Jahre in den städtischen Körperschaften der Stadt Niederlahnstein tätig, ein Ehrenamt, das Fritz Michel zwischen 1919 und 1929 als Stadtverordneter in Koblenz ausübte.

Fritz Michel verstarb am 30.10.1966 in seiner Wahlheimatstadt Koblenz, die ihn 1952 ebenfalls zum Ehrenbürger ernannt hatte. Sein Grab befindet sich auf dem Koblenzer Hauptfriedhof.