19. September 2016 Kategorie: Pressemitteilungen

Lahnsteiner Schriftsteller Joe Juhnke verstorben


Foto 1: Joe Juhnke mit seinem Buch „Grüne Teufel am Feind“.

Foto 2: Stadtarchivar Bernd Geil und Joe Juhnke mit einigen Werken des Schriftstellers. (Fotos: Stadtarchiv Lahnstein)

Lahnstein. Western-, Kriminal- und Horrorromane waren sein Metier. Ob unter eigenem Namen oder unter Pseudonymen erschienen - Joe Juhnke, Autor unzähliger Romane, ist am Donnerstag, den 1. September, im Alter von 91 Jahren verstorben. Er hinterlässt ein großes Werk an Texten, die zig-millionenfach, meist in sogenannten Groschenheften, publiziert wurden und als Nachdrucke noch werden.

In einem Beileidsschreiben an die Witwe würdigte Oberbürgermeister Peter Labonte den enormen Fleiß, den Juhnke, bis zuletzt geistig rege, zu Papier brachte, und betonte seine Liebe zur Heimat, die er durch Zusammenstellung von Themenheften zur Stadtgeschichte und Mitwirkung bei stadtgeschichtlichen Ausstellungen bewies.

Nach der Schule absolvierte der gebürtige Koblenzer, Jahrgang 1925, eine kaufmännische Lehre, bis ihn die Kriegsjahre einholten. Als Fallschirmjäger wurde Juhnke dreimal verwundet, musste ins Lazarett. Er las sehr viel, ihn faszinierten die Abenteuer der Cowboys, die Welt der Krimis. Eines Tages fasste er den Beschluss, selbst zu schreiben und tippte einen Cowboyroman auf seiner Schreibmaschine. Ein Verlag in Nürnberg kaufte sein Manuskript. Unter dem Titel „Der schwarze Steff“ erschien dieses Buch im April 1948.

Fortan schrieb er für den Leihbuchhandel, zwei bis drei Romane pro Monat. Da dieses Pensum mit seinem Beruf als Kaufmann kollidierte, schrieb er nur noch. In dieser Zeit zog er nach Hohenrhein und begann hier mit seiner zweiten Leidenschaft: der Gastronomie. Tagsüber führte er eine Gaststätte, nachts schrieb er. Für einen Roman brauchte er eine Woche bis einen Monat, für ein Groschenheft drei Tage. Seine Anregungen nahm der Schriftsteller aus der zahlreichen Fachliteratur, die sein Arbeitszimmer füllte. Seine Geschichten, die alle frei erfunden sind, hatten allerdings einen historischen Hintergrund. In einer von ihm angelegten Kartei befanden sich Informationen, nicht nur über die berühmten Revolverhelden, oft mit Foto, sondern auch über Waffen, Landschaftsbeschreibungen und jeweiligen Pflanzenwuchs, ergänzt durch eine umfangreiche Kartensammlung von Nordamerika.

Daneben hatte er seine eigenen Erinnerungen zu Papier gebracht. So wurden im Jahr 2014 Juhnkes persönliche Erlebnisse als Fallschirmjäger in Italien 1943 bis 1945 veröffentlicht und sind unter dem Titel „Grüne Teufel am Feind“ im Buchhandel erhältlich. Im Rhein-Lahn-Kurier hatte er in den 1990er und 2000er Jahren zusammen mit Hans Hamm ganze Seiten zur Lahnsteiner Geschichte zusammengestellt. Vieles Historische über Industrie, Handwerk und Gewerbe hatte er zusammengetragen, an seinem Computer bearbeitet und zu Themenheften verarbeitet. Stolz zeigte er seine Werke und übergab regelmäßig Abzüge dem Stadtarchiv Lahnstein, sei es über die Rhein-Lahn-Nixen, die Karnevalsprinzen, Alt-Lahnstein in Postkarten, Stiche und Lithographien. Über 500 Fotos und Postkarten über Alt-Lahnstein von 1870 bis heute hat Juhnke in digitaler Form gebrannt und zusammen mit über 200 Groschenheften bereits zu Lebzeiten dem Stadtarchiv Lahnstein vermacht.

In der Archivbibliothek stammen über 200 Groschenhefte und Bücher aus Juhnkes Feder. Auch bei den Kriegsausstellungen des Stadtarchivs und drei Gedächtnisausstellungen an den Maler Nikolai von Astudin wirkte Joe Juhnke mit.

Lahnstein wird er fehlen, auch der Schützengesellschaft Oberlahnstein, wo er Ehrenmitglied war. Europaweit werden seine Western als Nachdrucke gewiss noch viele Jahre den Handel bereichern.