30. August 2016 Kategorie: Pressemitteilungen

Oberbürgermeister lädt ein – der Stadtwald Lahnstein in einem anderen Licht!


Man sieht, … Stadtwald entspannt. Innenminister Roger Lewentz, Oberbürgermeister Peter Labonte und Forstamtsleiter Hans-Leo Cremer lassen die Methusalem-Eichen rund um den Waldort Birkelstein auf sich wirken. (Foto: Helmut Pfaff/Stadtverwaltung Lahnstein).

Lahnstein. Mein Arzt- der Wald!! Neue Perspektive, auch für Standort Lahnstein auf der Höhe?
„Die Wälder sind die Krone der Berge, sie sind der Schatz des Landes, in ihnen ist der Nutzen mit der Sinneslust vermengt…“.
„Schöner als vor über 300 Jahren im Jahr 1713 Hans Carl von Carlowitz fühlte,  kann man auch heute nicht auf diese wundersame Wirkung der Wälder verweisen. Mit diesen Gedanken wollen wir uns  in der nächsten Zeit dem Stadtwald Lahnstein widmen und ihn in diesem Licht erstrahlen lassen“, so Oberbürgermeister Peter Labonte.
„Als großer Waldfreund unterstütze ich diese Initiative gern, denn mir selber geht es wie vielen Menschen, die im Wald unmittelbar spüren, dass er körperlich und seelisch entlastet und entspannend wirkt“, findet Innenminister Roger Lewentz.
„Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse stützen was viele Menschen fühlen, daher widmet sich dieser Beitrag vor allem der Gesundheitswirkung des Waldes“, betont der Leiter des Forstamtes Lahnstein Hans-Leo Cremer.

Das ein Waldspaziergang die Glieder kräftigt, Herz und Seele stärkt und außerdem beim „Abschalten vom Alltag hilft“, ist jedem Waldspaziergänger hinreichend bekannt. Was hat die wissenschaftliche Studie an neuen Erkenntnissen gebracht?  Wie sind die gesundheitlichen Wohlfahrtswirkungen  des Stadtwaldes für die Bürger der Stadt Lahnstein  und  den vielen Erholung und  in naher Zukunft Gesundheit suchenden Urlaubsgäste zu bewerten? Um diese Fragen an Ort und Stelle zu besprechen, trafen sich auf Einladung des Lahnsteiner Oberbürgermeisters Peter Labonte, Innenminister Roger Lewentz  und  der Leiter des Forstamtes Lahnstein, Forstdirektor Hans-Leo Cremer im Stadtwald Lahnstein.

Wälder gegen Krebs
Innenminister Roger Lewentz  sprach die Forschungsergebnisse eines  japanischen Institutes für Wald und Waldprodukte an. Danach wurden bereits im Jahr 2004 die wohltuenden Auswirkungen des Waldbadens in einem medizinischen Experiment untersucht und  nun auch wissenschaftlich konkretisiert und bewiesen. Gemeinschaftlich hatte die japanische Behörde für Forstwirtschaft, das Forschungsinstitut für Wald und Waldprodukte und das Zentrum für Medizin in Nippon eine Studie in die Wege geleitet, mit der die physiologischen Effekte des Waldbadens (Shinrin  yoku) näher erforscht werden sollen. Zusammenfassend kam man zu dem Ergebnis: Spazierengehen im Wald fördere sowohl die Entstehung von verschiedenen Anti-Krebs-Proteinen als auch die Bildung ungewöhnlich hoher Mengen natürlicher Killerzellen (NK-Zellen), die dafür bekannt sind, Krebszellen aufzuspüren und diese zu attackieren. Pflanzen können  bestimmte Stoffe – sog. Phytonzide – herstellen,  mit deren Hilfe sie sich vor Bakterien und Insekten schützen. Diese Phytonzide werden an die Luft abgegeben und bei Waldspaziergängen eingeatmet. Dies wiederum führt  zu einer deutlichen Vermehrung der  Bildung von Killerzellen im menschlichen Körper. Dies wurde in einer Studie belegt. Inzwischen gibt es in Japan – und vereinzelt in den USA -  bereits 50 Waldtherapie-Zentren mit Waldtherapeuten und besonderen  Waldwegen, die man mit zertifizierten Führern begehen kann.
In Südkorea wurde das Projekt “Erholungswälder“  bereits in den achtziger Jahren ins Leben gerufen. Heute gibt es über 130 Erholungs-  und Therapiewälder, die mit Besucherzentren, Wald – heilpfaden und einfach umsetzbaren Sportangeboten ausgestattet sind. Aber auch in Deutschland sind die Pläne für die Ausweisung der ersten Kur- und Heilwälder bereits weit fortgeschritten.“Fünf Kurorte haben Interesse an der Umsetzung dieser Idee gezeigt“, so Oberbürgermeister Peter Labonte. Der Kurort Heringsdorf auf der Ostseeinsel  Usedom,  wird nach dem bisherigen Planungsstand wohl als erste Kommune die Heilkraft der Wälder konzeptionell  umsetzen und nutzen.

Wälder senken Blutdruck und Puls
Was für die Wälder Mecklenburg –Vorpommerns gilt, sollte auch für den Lahnsteiner Stadtwald möglich sein. Oberbürgermeister Peter Labonte weiß aus eigener Erfahrung als Waldbesucher aber auch als Sportler, wie wichtig Waldbesuche für das körperliche und seelische Wohlergehen sind. „Der Wald verbessert nicht nur unsere Kondition als Sportler, er stärkt auch unsere natürlichen Abwehrkräfte“, so Peter Labonte. In einer  Studie mit 280 Teilnehmern schickte man die Hälfte für einige Stunden in den Wald und die andere Hälfte in die Stadt. In der anschließenden Untersuchung  stellte man fest, dass di „Waldmenschen“ sich im Gegensatz zu den „Stadtmenschen“ eines auffallend niedrigeren Blutdruckes, eines niedrigeren Stresshormonspiegels und eines niedrigeren Pulses erfreuen durften.
Sobald man den Wald betritt und in das satte Grün der Bäume und Waldwiesen eintaucht, und den nach Blumen, Kräutern und feuchten Waldboden duftenden  Wald einatmet, beginnt sich der menschliche Organismus positiv zu verändern. Die ganze natürliche Geräuschkulisse angefangen vom Rauschen der Blätter bis zum Gesang  der Vögel in den Baumkronen, hat seine positive Wirkung. Allein das Licht- und Schattenspiel der durch die Baumkronen huschenden Sonnenstrahlen hat eine beruhigende Wirkung. „Um dies alles erfahrbar zu machen brauchen wir übersichtliche und gepflegte Wälder, die aber natürlich wirken“, so Forstamtsleiter  Cremer. Voraussetzungen, die der Stadtwald Lahnstein bereits heute schon weitestgehend erfüllt.

Forest bathing (Waldbaden) im Lahnsteiner Stadtwald?
Waldspaziergänge müsste es eigentlich auf Rezept geben. Jedenfalls wenn es nach den neusten Forschungsergebnissen japanischer Wissenschaftler geht.
In Fernost gibt es bereits ernsthafte Überlegungen  Wälder in Therapiezentren umzuwandeln, um dort nach einer der üblichen ärztlichen Untersuchungen, in einer sog. Outdoor-Klinik, im Wald ein „Bad“ zu nehmen. Damit ist natürlich kein Wasserbad gemeint, sondern das Eintauchen in das Ökosystem Wald. Wichtig für die Wissenschaftler ist dafür  ein natürlicher Waldaufbau mit vielen  alten  Bäumen.
Grund genug, auch für Lahnstein über eine vergleichbare Möglichkeit nachzudenken,  denn das Thema Nachhaltigkeit wird im Lahnsteiner Forst- und Waldbereich schon seit über 300 Jahren praktiziert und die Jagd- und Forstwirtschaft hatte schon immer eine besondere Bedeutung für die Stadt am Rhein-Lahn-Eck; und hat es auch heute noch. Denn Lahnstein besitzt eine Waldfläche von 1840 Hektar und ist somit eine der größten waldbesitzenden Kommunen, um genauer zu sein der 4. größte Waldbesitzer in Rheinland-Pfalz.

Der Lahnsteiner-Wald macht auch knapp 50 % der Gesamtfläche der Stadt Lahnstein aus und bevorratet rund 400.000 Festmeter Holz. Mit einem jährlichen Zuwachs von 13.830 Festmeter, das sind pro Tag 37,9 Fm und pro Std. 1,57 Fm und einer jährlichen Holzernte von rund 11.100 Festmetern. Das bedeutet, dass gemessen am Zuwachs jährlich rund 80 % genutzt werden. Auch ist der Wald in Lahnstein ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit einem Bilanzwert von rund 11 Mio. Euro. Der Lahnsteiner Wald hat zudem auch eine große Erholungsfunktion, z.B. Wanderwege (u.a. Rheinsteig, Ruppertsklamm, Lahnwanderweg), Schutzhütten und Trimmdichtpfad. Auch für die Energiegewinnung ist der Stadtwald von Bedeutung: 530 Festmeter selbst produzierte und selbst genutzte Holzhackschnitzel pro Jahr und 1.190 Festmeter (1.700 rm) Brennholz in Selbstwerbung pro Jahr.

Das alles sind Zahlen und Fakten, die die Bedeutung des Waldes in Lahnstein eindeutig belegen und – da waren sich Lewentz, Cremer und Labonte einig – eine gute Zukunftsperspektive, insbesondere auch für den Stadtteil „Lahnstein auf der Höhe“ bieten können.

Neben den dort bereits vorhandenen Einrichtungen, unter anderem Hotel, Ferienpark, Kurpark, Gastronomie und Klinik Lahnhöhe, gibt es dort mittlerweile seit Februar 2016 auch einen kommunalen Waldkindergarten. Diese sozial- und naturpädagogische Einrichtung lebt nach dem Motto „Leben drückt sich in der Natur sowie im Menschen selbst aus.“ Die Einrichtung befindet sich in Trägerschaft der Stadt Lahnstein und wird in Kooperation mit der Dr.-Max-Otto-Bruker-Stiftung betrieben. Eine Verbindung mit der „Waldschule“ in Friedrichssegen wird angestrebt.

Die Dr.-Bruker-Stiftung hat zudem auch den ersten ganzheitlichen therapeutischen Bruker-Garten Deutschlands, erarbeitet nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen, dass Bewegung in der Natur, Freude an der Arbeit im Garten und somit Entspannung ein wahrhaftiges Therapeutikum ist, entwickelt. Im Bruker-Haus, dem „Zentrum für Gesundheit und ganzheitliche Lebensweise“ werden seit Jahrzehnten erfolgreich Prophylaxe-Seminare durchgeführt. Ebenfalls ist ärztliche und psychotherapeutische Betreuung gewährleistet.
Als Zukunftsperspektive ist hier künftig auch eine Erweiterung der gesamten Anlage (Wohnungen/Wohngemeinschaften mit sozialer Anbindung, Koch- und Backseminare, ökologischer Landbau- vorwiegend Tee- und Küchenkräuter, Waldgesundheit u. a. m.) angedacht.

Auch die Möglichkeit, in einer natürlichen Umgebung beigesetzt zu werden (Waldbestattung, Ruhewald), ist künftig auch im Lahnsteiner Stadtwald ein Thema. Demnach soll an einem noch zu bestimmenden Waldgebiet in der Stadt Lahnstein, die Möglichkeit von Urnenbeisetzungen unter Bäumen geschaffen werden.

Auch das Thema Sport hat nach wie vor eine hohe Gewichtung im Lahnsteiner Wald, denn Sport im Wald gewinnt in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Sport im Wald ist gesund und bewegt die Menschen. Sport im Wald fördert aber auch den heimischen Tourismus. Und so gibt es nicht nur bald ein neues und zwischen Forstamt und der Touristinformation der Stadt Lahnstein abgestimmtes Wanderwegekonzept, sondern es werden neue Freizeitangebote angestrebt. Geht es nach den Vorschlägen des Lahnsteiner Oberbürgermeisters, dann soll hier auch bald die einzige Disc-Golf-Anlage in Rheinland-Pfalz entstehen.