26. August 2016 Kategorie: Pressemitteilungen

Vor 100 Jahren wurde Dr. Johannes Romberg geboren


Dr. Johannes Romberg (Foto: Sammlung Stadtarchiv Lahnstein)

Lahnstein. Als das Land Rheinland-Pfalz 1975 das kurfürstliche Schloss Martinsburg in Lahnstein verkaufte, wurde Ministerialreferent Dr. Johannes Romberg, der jetzt 100 Jahre alt geworden wäre, neuer Eigentümer, zusammen mit seiner Frau Charlotte, die ihn in der Folge tatkräftig bei der baulichen Rettung und kulturellen Belebung des Anwesens unterstützte.


Johannes Romberg wurde am 29. August 1916 in Danzig geboren und wuchs in Breslau auf. Zehn Jahre arbeitete er im Bundesministerium für Wohnungsbau, knüpfte Kontakte in die ganze Welt und war schließlich in seinem Arbeitsgebiet, dem Wohnungsbau, in den verschiedensten Ländern tätig. So wurde der Bau von Häusern und Schaffung von Wohnraum zu seinem Lebenswerk. 
Auf der Suche nach einem alten Gebäude, das „ihm historisch gefallen und original aus seiner Zeit sein sollte“, wurde er am Rhein-Lahn-Eck fündig. Im August 1975, dem internationalen Jahr des Denkmalschutzes, kaufte er das alte Gemäuer. In nur neun Monaten wurden erste Wohnungen bezugsfertig, und so sanierte und renovierte er es in den Folgejahren nach und nach innen und außen, ohne öffentliche Fördergelder zu beanspruchen.


Den größten Teil des Anwesens verwandelte der Schlossbesitzer in Wohnungen. Aber auch in Büros und Gewerbe, die er vermietete, um durch die Einnahmen sicherzustellen, dass sich das Anwesen auch in Zukunft aus eigener Kraft erhalten ließe, d.h. ohne öffentliche Mittel, wie dies bei vielen größeren Baudenkmalen der Fall ist.


Der Weinsberger Turm, das ist der Eckturm ohne Haube links vom Tor, wurde Sitz der 1979 gegründeten Lahnsteiner Rittergilde e.V., die bei der Sanierung des Turmes tatkräftig mithalf.
Schnell etablierten sich im Martinsschloss auch kulturelle Veranstaltungen, wie die alljährlich vom Männerchor Frohsinn Lahnstein veranstalteten Schloss-Serenaden, die diesjährig zum 35. Mal im Innenhof am 20. August stattfanden.
Anfangs fanden auch Gemäldeausstellungen in den unteren Räumen statt.
Seit September 1996 hat nun hier das Lahnsteiner Fastnachtsmuseum, getragen vom Carneval Comitee Oberlahnstein, seine Heimat gefunden, und lockt jeden Sonntag die Besucher dazu an, sich über die fünfte Jahreszeit zu informieren.


Zudem entführt der Verein Lahnsteiner Zeitzeugen mit  seinen szenischen Führungen in die Zeit der einstigen Zollburg. Das Zollamt hatte hier seinen Sitz auch noch nach der kurfürstlichen und nassauischen Ära, bis 30.11.1990, also noch lange Zeit nachdem Romberg die Zollburg erworben hatte. Durch das Atelier Brunner war Lahnstein für einige Zeit auch wieder „Münzprägestätte“.
Zum Schloss gehört auch ein Park, der öffentlich zugänglich ist.
1987 ließ Romberg auf dem hochwasserfreien Gelände südlich des Lahnsteiner Hafens das Restaurant „Rheinkrone“ errichten.


Im April 1990 rief Dr. Johannes Romberg eine nach ihm benannte Stiftung für Denkmalpflege ins Leben. Diese private gemeinnützige Stiftung machte es sich zur Aufgabe, erhaltenswerte denkmalgeschützte Bauten zu fördern und auszuzeichnen, die beispielhaft saniert, restauriert und darüber hinaus einer sinnvollen wirtschaftlichen Nutzung zugeführt wurden oder werden. Bereits 1991 konnte der heutige Koblenzer Oberbürgermeister und damalige Staatssekretär Dr. Hofmann-Göttig im Martinsschloss die ersten Förderpreise in fünfstelliger Gesamthöhe für restaurierte Baudenkmale verleihen.
Auch Dr. Romberg selbst wurde mehrfach geehrt. Auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Burgenvereinigung wurde er aufgrund seiner großen Verdienste um die Denkmalpflege zum Ehrenmitglied gewählt.  1998 erhielt er vom Kur- und Verkehrsverein den Lahnsteiner Hexenkrug verliehen.

Am 6. April 2001 verstarb Dr. Johannes Romberg. Er folgte dem Leitspruch „Gehe Wege, die keiner ging, damit du Spuren hinterlässt und nicht nur Staub“. Die in Lahnstein sichtbaren „Spuren“ werden heute von einem seiner Söhne weiterverfolgt, der seit wenigen Monaten auch im Lahnsteiner Martinsschloss lebt.