27. Januar 2016 Kategorie: Pressemitteilungen

Vor 125 Jahren wurde Dr. Max Bachenheimer geboren


Dr. Max Bachenheimer mit seiner Familie (Slg. Elmar Ries)

Max Bachenheimer entstammte einer jüdischen Familie und wurde am 26.01.1891 in Wetter bei Marburg geboren. Nach dem Medizinstudium nahm er, wie viele jüdische Mitbürger, am 1. Weltkrieg teil. Als Assistenzarzt der Reserve kämpfte er mit seinem Truppenteil vor Verdun. Nachdem er sich im Februar 1920 in Niederlahnstein als Arzt niederließ, heiratete er im gleichen Jahr die Jüdin Ottilie Wolff aus Kobern. Sie gebar ihm am 2. Juni 1921 Tochter Margot.

Nach Zeugenaussagen war Bachenheimer sehr beliebt und ein guter Diagnostiker. Seinen großen Einsatz für die Patienten in Lahnstein und die Tatsache, dass er arme Mitbürger kostenlos behandelte, haben mehrere Lahnsteiner bestätigt. Zudem zeigte sich die Großzügigkeit der Familie Bachenheimer, als sie in den Notjahren nach dem Ersten Weltkrieg alljährlich zehn arme Kommunionkinder aus Lahnstein zu ihrem religiösen Feste kostenlos einkleideten. Selbst nach seiner Ausreise aus Deutschland besorgte Bachenheimer für seinen ehemaligen Patientenkreis Medikamente und sonstige Hilfsleistungen, welche im Deutschen Reich nicht mehr zu bekommen waren.

Auf Grund einer Verordnung vom 13.07.1934 zur Erinnerung an den Weltkrieg 1914/1918 wurde das von Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg gestiftete Ehrenkreuz für Frontkämpfer zuteil. Dieses Schreiben erhielt er im April 1935 vom Landrat Dr. Brunnträger in St. Goarshausen. Ob er als Jude diese späte Ehrung so gedeutet haben muss, dass seiner Familie nichts passieren wird, könnte man annehmen. Tatsache ist aber, dass er eines Tages von einem SA-Mann auf der Lahnbrücke blutig niedergeschlagen wurde und dass seiner Tochter auf dem Hilda-Gymnasium Koblenz seit 1933 das Leben wegen ihres Glaubens schwer gemacht wurde. Von Mitschülerinnen verspottet, war sie froh, als sie auf die Ursulinenschule wechseln durfte.

Den Entschluss, Deutschland Hals über Kopf zu verlassen, setzte Ottilie Bachenheimer in der Familie durch. Sie bereitete die Ausreise zu Verwandten nach Luxemburg vor. Weitblickend erkannte sie, dass ihr Familienpass nur noch vier Tage gültig war und für sie, als jüdische Bürger, wohl nicht mehr verlängert worden wäre. Nach 16 Arbeitsjahren in Lahnstein verließ die Familie, nur mit Handgepäck, am 1. Dezember 1936 ihr Heimatland. In Luxemburg beantragten sie die Auswanderung nach New York. Im Dezember 1938 erhielten sie die Genehmigung für die Ausreise, die sie von Antwerpen mit dem Schiff antraten. In den vereinigten Staaten von Amerika wurde die deutsche Arzt- und Doktorenausbildung nicht anerkannt, weshalb Dr. Max Bachenheimer nochmals studieren musste, um seine Lizenz als praktizierender Arzt zu erhalten. Danach erst konnte er im New Yorker Stadtteil Bronx die Praxis eines deutschen Arztes übernehmen. Tochter Margot heiratete 1942 und gebar zwei Kinder. 1980 besuchte sie mit ihrem Mann auf Einladung der Jüdischen Gemeinde Koblenz ihre alte Heimat. Kinder und Enkel leben heute noch in den USA.

Erwähnt sei auch, dass die Bachenheimers von New York aus Ottilies Bruder, Siegmund Wolff mit Familie, durch eine Bürgschaft aus dem französischen Internierungslager Gurs freikauften, sonst wären diese Menschen jüdischen Glaubens wie tausende andere von dort 1942 /43 in die Vernichtungslager nach Auschwitz und Solibor deportiert worden.

Dr. Max Bachenheimer starb am 25. Mai 1973 in New York. Seit 1995 erinnert die „Dr. Bachenheimer-Straße“ im Neubaugebiet „Auf der kleinen Hohl-West“ an ihn und seine Familie.