19. November 2015 Kategorie: Pressemitteilungen

Stadtarchiv erinnert an Einzelschicksale von Euthanasieopfern


(Foto: Slg. Stadtarchiv Lahnstein)

Lahnstein. Ende Oktober 2015 wurden zum Gedenken an Euthanasieopfer aus Lahnstein sieben weitere „Stolpersteine“ verlegt, darunter drei auf dem Salhofplatz. Das Stadtarchiv Lahnstein hat die Geschichten der Opfer recherchiert und erinnert durch persönliche Beiträge an die Einzelschicksale, wie das von Dr. Ernst Emil Gassen, Onkel des gleichnamigen Orthopäden.

Emil Gassen kommt am 09.06.1896 in Oberlahnstein als Sohn des Schuhmachers August Gassen und seiner Frau Helena, geb. Gerhard, auf die Welt. Ab 1924 ist er in der Hochstraße 39 gemeldet, von 1926 bis 01.02.1938 in Merseburg, zuletzt wieder in der Hochstraße 39. Hier führt sein Bruder August Wilhelm ein Schuhgeschäft, das ab 1951 von dessen Witwe, Emils Schwägerin, fortgeführt wird. Auf der Meldekarte ist als erster Vorname ‚Ernst‘ und als Beruf ‚praktizierender Arzt‘ angegeben; Familienstand ‚ledig‘; Religion ‚gottgläubig‘.

Am 22.02.1938 meldet sich Dr. Ernst Emil Gassen nach Bad Homburg ab. Nach Mitteilung der Gedenkstätte Hadamar wurde Dr. Ernst Emil Gassen am 20.06.1939 in die Zwischenanstalt Weilmünster aufgenommen, nachdem er vorher in der Nervenklinik Frankfurt Patient gewesen war. Am 27.02.1941 wird er nach Hadamar verlegt und dort gleich am ersten Tag im Rahmen der T4-Aktion vergast. Um dies zu vertuschen, wird die Krankenakte nach Hartheim/Oberdonau gesandt, um von dort am 10.03.1941 den Tod zu vermelden.

Viele Lahnsteiner erinnern sich an Dr. Ernst August Gassen, Jahrgang 1922, der ab 1966 als Orthopäde in Oberlahnstein ansässig war (heute Praxis Kremer-König). Dieser war der Neffe des Opfers, der Sohn von Ernst Emils Bruders August Wilhelm und seiner Frau Gertrud.