30. Oktober 2015 Kategorie: Pressemitteilungen

Zur Geschichte der Lahnsteiner Volkshochschule


Oberlahnsteiner Bürgermeister Franz-Josef Geil am Rednerpult bei der Eröffnungsfeier der VHS 1947 (Slg. Stadtarchiv Lahnstein)

Lahnstein. 1947 wurde im ehemaligen HJ-Heim in der Schulstraße in Oberlahnstein eine Volkshochschule eröffnet. Damit gehört sie zu den ersten Neugründungen nach dem Zweiten Weltkrieg in Rheinland-Pfalz. Die damalige französische Besatzungsmacht förderte die Volkshochschulen, weil sie sich auf diese kommunalen Volkshochschulen einen direkteren Einfluss ausrechnete als auf vergleichbare andere Einrichtungen. Jedoch war die VHS Lahnstein nie eine kommunale, sondern eine private - seit 1962 in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins.

Auf Initiative des Oberlahnsteiner Bürgermeisters Franz-Josef Geil wurde gemeinsam mit dem Landrat und zwei Vertretern der französischen Besatzung die Gründung einer VHS für den Kreis beschlossen, ein paritätisch besetzter Ausschuss als Kuratorium gewählt  und ein Beirat berufen. Der französische Militärgouverneur genehmigte die Gründung und den ersten „Arbeitsplan“, wie das Trimester-Programm über viele Jahre genannt wurde. Die Eröffnungsfeier fand am 27.09.1947 im Turnerheim statt.

Parallel zur VHS wurde die „Rheinische Kulturgemeinde“ gegründet, deren Zweck es war, die Bevölkerung durch Bücher und Zeitschriften über das Zeitgeschehen aufzuklären. Hierzu wurde ein öffentlicher, kostenlos zu nutzender „Lesesaal der rheinischen Kulturgemeinde“ in der unteren Burgstraße eröffnet, der aber nur wenige Jahre bestand. Die Volkshochschule ist dagegen erhalten geblieben und als Weiterbildungseinrichtung 1977 staatlich anerkannt worden. Grundlage bildet das rheinland-pfälzische Weiterbildungsgesetz von 1975, nach dem die Förderung der Weiterbildung eine öffentliche Aufgabe ist.

Die unzulänglichen Raumverhältnisse in der Schulstraße konnten 1971 durch Umzug in das ehemalige Gymnasium in der Gymnasialstraße aufgegeben werden.

Das Kursangebot der VHS hat den Wandel der Zeiten mitgemacht. Kurse, Vorträge und Veranstaltungen, wie sie 1947 gefragt waren, sucht man heute vergebens im Programm. Auch das Kammerorchester und der Chor der VHS sind verschwunden. Allerdings wurde 1980 wieder ein Collegium Musicum gegründet, das regelmäßig mit Konzerten an die Öffentlichkeit tritt. Die Burgspiele wurden ebenso viele Jahrzehnte von der VHS durchgeführt.

Nach einer Phase sehr starker Nachfrage nach Sprachkursen, Stenografie und Maschinenschreiben Ende der 1970er Jahre sind heute die verschiedensten Freizeitkurse und Studienreisen vor allem Kurse in EDV und Gesundheitspflege am Stärksten belegt. Auch das Nutzerklientel hat sich gewandelt: Ist es anfänglich die junge Generation gewesen, die in die VHS Kurse drängte, so ist die Altersgruppe unter 25 Jahren heute die statistisch schwächste.

Mit Studiendirektor Roman Weh hat die „Volkshochschule Lahnstein“, wie sich die „VHS Rhein-Lahn e.V. Oberlahnstein“ seit dem Zusammenschluss der Städte von Nieder- und Oberlahnstein nennt, ihren vierten Leiter. Auf Oberstudienrat Josef Heimes folgte bereits 1948 Robert Heiligenstein, der das Zepter 1967 an Dr. Hanns-Willi Steil abgab. Dank gilt auch den langjährigen Verantwortlichen der Trägerin der VHS, nämlich der „Vereinigung der Freunde der Volkshochschule Lahnstein“, insbesondere Baron Freiherr von Preuschen, Johannes Knauf, Willi Ströhm, Alt-OB Karl-Heinz Groß und seinem Sohn Günter Groß.

Die VHS Lahnstein versteht sich heute als Weiterbildungszentrum, das Kurse, Einzelveranstaltungen, Studienreisen und -fahrten ebenso anbietet wie „Bildung auf Bestellung“. Die Finanzierung erfolgt über Zuschüsse des Landes, der Stadt und aus den Teilnehmerentgelten. Die Kursangebote erstrecken sich – soweit nicht anders vereinbart – auf 14 Wochen.  Der Trend mehr und mehr Kurse vom Abend in den Vor- und Nachmittag zu verlagern, kann jetzt mit dem Umzug an den Kaiserplatz umgesetzt werden.