28. Oktober 2015 Kategorie: Pressemitteilungen

Stolperstein-Aktion für NS-Euthanasieopfer in Lahnstein findet ihren Abschluss

40 Gedenksteine im Stadtgebiet zu finden

Gunter Demnig verlegte auf dem Salhofplatz Stolpersteine zum Gedenken an die Euthanasieopfer, die nachweislich zuletzt in Lahnstein gelebt haben (Foto: Bernd Geil/Stadt Lahnstein)

Lahnstein. In Lahnstein erinnern mittlerweile 40 Stolpersteine an Opfer des Nationalsozialismus. Die letzten sieben Gedenktafeln hat der Künstler Gunter Demnig in der vergangenen Woche verlegt. Im Beisein der Kolpingfamilie St. Barbara, vertreten durch deren Vorsitzenden Ferdi Müller, der Beigeordneten der Stadt Lahnstein, Beatrice Schnapke-Schmidt, Stadtarchivar Bernd Geil, Pfarrer Thomas Barth und zahlreicher Mitbürger begann die Gedenkstunde auf dem Salhofplatz.
Ferdi Müller sagte in seiner Begrüßung, dass es nicht darum gehe, eine ewige Schuld der Deutschen festzustellen, sondern einzig darum, das Vergessen an das Unrecht, das unsere Vorfahren begangen haben, zu verhindern. Eine Wiederholung darf es nie wieder geben, dafür sind alle verantwortlich. Die Beigeordnete Beatrice Schnapke-Schmidt dankte in ihrem Grußwort der Kolpingfamilie für die Initiative und die Beharrlichkeit bei dem Ziel, allen Opfern vor ihrer letzten freiwillig gewählten Wohnung, einen eigenen Stein zu verlegen. Dieses Ziel sei nun erreicht, da das Stadtarchiv Lahnstein seine Recherchen über die Einzelschicksale abgeschlossen hat. So konnte festgestellt werden, dass 20 Juden, 1 Katholike, der einem Juden den Haushalt führte, und 19 Euthanasieopfer in Ober- oder Niederlahnstein ihren letzten frei bestimmten Wohnsitz hatten.
Pfarrer Thomas Barth hielt eine kurze Predigt, indem er auf einen passenden Psalm aus der Bibel einging, Elmar Ries sprach ein jüdisches Gebet und alle Erschienenen das Vaterunser. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier durch Peter Auras auf seiner Gitarre.

Vor dem Mahnmal neben dem Hexenturm wurden drei Steine verlegt, die an Euthanasieopfer erinnern: Gertrude Scheh, Agnes Dehe und Dr. Ernst Emil Gassen.

Anschließend wurde vor dem Bahnhof Oberlahnstein für Barbara Briel, geb. Lenz, ein Stein verlegt. Ihr Vater hatte im alten Personenbahnhof eine Dienstwohnung. Weitere Steine erhielten Anton Kessler in der Mittelstraße 72 sowie die Brüder Johann und Josef Müller in der Mittelstraße 85. Damit endete die von der Kolpingfamilie St. Barbara initiierte Aktion zum Gedenken an die Opfer. Die Kolpingfamilie St. Barbara möchte den Druck einer Broschüre veranlassen, in der alle Lahnsteiner Stolpersteine mit ihren Namensträgern aufgeführt sind. Ferdi Müller regte an, dass die Lahnsteiner Schulen Patenschaften für die Stolpersteine übernehmen, indem Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Geschichtsunterrichtes die Stolpersteine aufsuchen und polieren.