25. September 2015 Kategorie: Pressemitteilungen

Marmor-Grenzsäule hat neuen Platz vor Nassau-Sporkenburger Hof gefunden


Die Fachfirma musste beim Aufstellen der ehemaligen Grenzsäule exakte Arbeit leisten, damit die Teile richtig aufeinander sitzen (Foto: Stefan Best).

Lahnstein. Es ist Zentimeterarbeit, die die Männer beim Aufstellen der ehemaligen Grenzsäule vor dem Nassau-Sporkenburger Hof in der Johannesstraße leisten. Mit Hilfe von schwerem Gerät wird das Bauwerk, das zuvor an der Gemarkungsgrenze zwischen Lahnstein und Koblenz-Horchheim an der Ecke Emser Straße / Didierstraße stand, wieder zusammengesetzt. Im November 2013 abgebaut, wurde die Säule seitdem in Köln restauriert und ist nun nach Lahnstein zurückgekehrt. Der zuständige Fachbereichsausschuss hatte beschlossen, die Säule nicht am alten Standort sondern an einer exponierteren Stelle im Stadtgebiet wieder errichten zu lassen.

Säule hat eine bewegte Geschichte
Die Marmor-Grenzsäule zwischen Lahnstein und Koblenz-Horchheim wurde 1827 an der Gemarkungsgrenze zwischen dem Herzogtum Nassau und dem Königreich Preußen aufgestellt. Dies geht aus dem Aufsatz „Die Marmorgrenzsäulen des Herzogtums Nassau“ in den Nassauischen Annalen 2002 hervor. Demnach wurden zehn Marmorsäulen durch Anordnung des Herzoglichen Hohen Staatsministeriums in Wiesbaden in Auftrag gegeben, die als repräsentative Grenzmarkierung an den wichtigsten Grenzübergängen des Herzogtums Nassau stehen sollten.

Die zehn Säulen wurden an der Landesgrenze - an regional oder überregional bedeutenden Landstraßen bzw. Chausseen - in den Ämtern Montabaur, Usingen, Weilburg, Hochheim, Herborn, Höchst, Marienberg, Dillenburg, Hachenburg und Braubach aufgestellt. Für die Säule im Amt Braubach bestimmte die nassauische Landesregierung den Platz neben dem großen Hoheitsgrenzstein direkt vor Horchheim als die richtige Stelle. Hier kreuzte die Straße von Horchheim nach Niederlahnstein, ein entlang des Rheins Richtung Ehrenbreitstein führender Vicinalweg, die Grenze zwischen den Hauptgrenzsteinen 173 und 174. Heute befindet sich hier die Kreuzung Emser Straße / Didierstraße. Die Säule wurde am 8. August 1827 aufgestellt.

1866 fand der deutsch-österreichische Krieg statt, bei der das Herzogtum Nassau auf Österreichs Seite stand und von Preußen geschlagen wurde. Am 3. September, kurz vor Kriegsende, meldete der zuständige Chausseeinspektor der nassauischen Landesregierung, dass die Säule in der vorangegangenen Nacht umgeworfen worden sei. Im Ministerium entschied man sich die Säule angesichts der unsicheren Verhältnisse vorerst nicht wiederaufstellen zu lassen. Der Wegbauinspektor hatte sie lediglich auf die Seite räumen und abdecken lassen. Den Täter konnte man nicht ausfindig machen.

Mit der Übernahme des Herzogtums Nassau durch das Königreich Preußen am 3. Oktober 1866 wurden die nassauischen Grenzsäulen überflüssig. Auf Anordnung der Königlichen Regierung sollten alle Säulen bis auf die von Hochheim/Taunus entfernt werden. In der Hochheimer Säule wurde das nassauische durch das preußische Wappen ersetzt. Die anderen Säulen wurden auf den jeweiligen Amtshöfen gelagert und später versteigert. Eine Ausnahme bildete die Säule zwischen Niederlahnstein und Horchheim. Nachdem sie drei Jahre lang auf dem Acker lag, wurde 1869 auch noch ein Teil des Sockels umgeworfen. Daraufhin wurde seitens der Regierung veranlasst, die Säule „an einer den Verkehr nicht störenden Stelle wieder aufzurichten und in Würde zu erhalten“. So war die Säule innerhalb von drei Jahren vom Hoheitszeichen zum Denkmal geworden, allerdings nach Abhauen des Hoheitszeichens.

Verwendet wurde polierfähiger Kalkstein, sog. „Lahnmarmor“ aus einem Steinbruch bei Villmar/Lahn. Die Rohblöcke wurden in der „Diezer Zuchthausfabrik“ (heutige Justizvollzugsanstalt) weiterverarbeitet. Die Grenzsäulen bestanden aus einem unteren und oberen Sockel, einem etwa 2 Meter hohen Schaft (Säulenstamm) und einem Kapitell aus zwei Platten. Die Gesamthöhe betrug etwa 3,60 Meter. In die Säule wurde das Wappen des Herzogtums mit Krone eingehauen.
Das Wappen wurde 1869 herausgemeißelt und nicht wieder rekonstruiert, doch sind Umrisse des Schildes noch zu erkennen, ebenso der Platz der Krone. Auf dem Sockel ist eine Bronzetafel im Auftrag der Stadt Lahnstein angebracht worden, die die Säule als Denkmal ausweist.