02. Februar 2018 Kategorie: Pressemitteilungen

Lahnsteiner Schauspieler Rudi Bollinger vor 20 Jahren verstorben

Räuberhauptmann war Paraderolle

1990er Jahren mit seiner Frau Grete (Foto: privat); Schauspielen war seine Leidenschaft, vor allem die Rolle als „Schinderhannes“, 1930 (Postkarte Sammlung Stadtarchiv)

Lahnstein. Zeitlebens nannten ihn viele den „Schinderhannes“. Die Rolle des Räuberhauptmanns war die Paraderolle von Rudi Bollinger, die er in den Jahren 1930 und 1937 mehr als einhundert Mal verkörperte.

Damals fanden in Oberlahnstein Laienschauspiele statt, bei denen jeweils über 30 Lahnsteiner mitwirkten. Die Hauptrolle oblag dem gelernten Schreiner und Industriekaufmann, der am 12. November 1906 in Oberlahnstein das Licht der Welt erblickte. Gleich nach der Schulzeit begann Rudi Bollinger mit dem Theaterspielen. Unterstützung fand er bei Kaplan Wilhelm Schäfer im Gesellenverein. Hier spielte er in den 1920er Jahren im Gesellenhaus in „Das große Welttheater“, „Das Abendmahl des Balthasar“ und die Rolle des Jedermann im „Jedermann“. 1926 wirkte er mit bei den Operetten des MGV 1863 Oberlahnstein „Winzerliesel“, „Mädel am Neckarstrand“ und „Die Zirkusprinzessin“. Das Theaterspiel lag dem jungen Lahnsteiner so gut, dass er bald nur noch Hauptrollen spielte. Leidenschaftlich gerne hätte er den Beruf des Schauspielers ausgeübt. Seine Begabung bescheinigte man ihm sogar bei entsprechenden Prüfungen 1928/29 in Berlin und Köln. Doch da sein Vater, Mitinhaber der Firma Gebrüder Bollinger, sich gegen die Theaterkarriere des Sohnes stellte, blieb Rudi als Geschäftsführer und Prokurist der Firma in Lahnstein erhalten.

So wirkte er neben dem Schinderhannes auch 1931 auf der Freilichtbühne im Schillerpark bei dem Stück „Der Schulmeister von Lahnstein“ mit, hier sogar in einer Doppelrolle als Freiherr vom Stein und als Hauptmann Münch. Rudi Bollinger baute auch das von Stadtbaumeister Hoppe entworfene Bühnenbild.

Nach dem 2. Weltkrieg verbrachte Rudi Bollinger einige Jahre in Köln und kam 1956 zurück. Er arbeitete nun als Verwaltungsangestellter in der Polizeiverwaltung. Neben seinem Beruf sang er auch über 70 Jahre im MGV 1863 Oberlahnstein.

Als 1965 Hexenturm und Wehrgang am Salhofplatz restauriert und eingeweiht wurden, schrieb Anneliese Lessing im Auftrag der Stadtverwaltung Oberlahnstein den Schwank „Oktoberfest 1582 am Hexenturm“, der zum Heimatfest auf dem neugestalteten Salhofplatz aufgeführt wurde. Rudi Bollinger war wieder zur Stelle und glänzte als Pfarrer Custodis, dieses Mal sogar mit seinem Sohn Rudi Bollinger junior auf der Bühne. Ein Jahr später wurde zum Heimatfest die „Absetzung des Königs Wenzels“ aufgeführt. Selbstverständlich hatte der mittlerweile 60-jährige Bollinger die tragende Rolle als Kurfürst von Mainz, der Lahnstein die Stadtrechte 1324 verliehen hatte. 1969, im Rahmen der Festwoche anlässlich der Partnerschaft mit der französischen Stadt Vence, führte die Laienschauspielgruppe des Verkehrsvereins Oberlahnstein im Turmtheater das Scherzstück „Der ganz geheime Hofrat“ auf. Rudi Bollinger spielte nicht nur einen Apotheker, sondern führte auch die Regie in dem Stück, das abermals vom Publikum mit viel Lob und Anerkennung gezollt wurde.

Am 02.02.1998 verstarb Rudi Bollinger in seiner Heimatstadt.